Rezension
Bücher für den Gabentisch

Handelsblatt-Mitarbeiter stellen ihre Bücher für den Gabentisch vor.

Bürger, pflanzt Wein und werdet reich!

Wer würde einen Madeira wohl mit Meerwasser verdünnen? Oder den Chablis erst mit einem großzügigen Schluck gepfefferten Honigs und einer gehörigen Portion warmem Wasser trinkbar finden? Der Geschmack der alten Griechen und Römer unterschied sich deutlich von heutigen Vorlieben - ohne einen Vorrat an jenem Honig mit Pfeffer für den fremdländischen Wein etwa verreiste kein Römer, der etwas auf sich hielt. Nachzulesen sind diese und zahllose andere Anekdoten in Hugh Johnsons neuer Weingeschichte. Der Meister der Weinkritik hat die Historie der Reben verwoben mit den Geschicken der Völker, die sie nutzten. Die ersten Reben kultivierten die Georgier, Kelten erfanden die Fässer, Griechen und Römer verbreiteten das Getränk über ganz Europa, den Ägyptern verdanken wir das Glas. Am Prinzip der Weingewinnung hat sich in den vergangenen dreitausend Jahren erstaunlich wenig geändert - immerhin kommen heute weniger Füße zum Einsatz. Johnson und sein Verlag haben die Neuerscheinung - die "Weingeschichte" erschien erstmals 1990 in deutscher Sprache - vor allem optisch aufgepeppt. Eine vergnügliche und aufwendig illustrierte Geschichte über die Völker und ihre Weine. Susanne Wesch Hugh Johnsons Weingeschichte: Von Dionysos bis Rothschild. Hallwag Verlag, 256 S., 49,90 Euro

Reise auf der Transamericana

Der Traum vieler Abenteuerreisender hat einen Namen: die Transamericana, jene von Alaska bis ans Kap Horn in Feuerland reichende Straße. 1923 wurde das Projekt einer transkontinentalen Verkehrsader ins Leben gerufen. Heute ist sie ein mehr als 70 000 Kilometer umspannendes Straßennetz, das aus politischen Gründen aber noch die eine oder andere Lücke aufweist. In ihrem mit viel Liebe zum Detail gestalteten Bildband nehmen Peter Gerhard und Wolf Hanisch den Leser mit auf eine spannende Entdeckungsreise. Zu sehen sind nicht nur spektakuläre Landschaftsaufnahmen wie etwa der Mesa Arch im Canyonland-US-Nationalpark oder der Salto Angel, der mit fast 1000 Metern höchste Wasserfall der Erde in Venezuela, sondern auch die Menschen, die am Rande der Traumstraße leben.

Die Autoren berichten dabei vom Leben der Einwohner in der Chinatown Vancouvers genauso wie von den Nachfahren deutscher Einwanderer im einsamen Patagonien. Das Buch ist einfach eine Hommage an den amerikanischen Doppelkontinent und seine Bewohner, die ihre Wirkung nicht verfehlt. Ralf Balke Peter Gebhard, Wolf Alexander Hanisch: Panamericana - Abenteuer zwischen Alaska und Feuerland. Frederking & Thaler Verlag, 224 Seiten, 49,90 Euro

Religiöse Toleranz ist gefährliche Arbeit

Der Katalane Xavier de la Valle flieht im ausgehenden 15. Jahrhundert nach Granada. Doch das letzte maurische Königreich auf spanischem Boden unterscheidet sich grausam von den schwärmerischen Berichten seines Vaters. Es herrschen Krieg, Verfolgung, Hunger und Verzweiflung. Erbittert bekämpfen sich Moslems und Christen. Auch den jüdischen Seidenhändlern geht es schlecht.

Ein arabischer Gelehrter nimmt ihn als Studenten auf und eröffnet ihm die Welt der Weisheit. Aber sein Herz muss sich entscheiden zwischen der Christin Maria und der schönen Tochter seines Lehrers. Dadurch gerät Xavier in höchste Gefahr. Allein flieht er in die Wüste.

Das Beste an historischen Romanen ist, dass sie eine längst vergangene Welt miterleben lassen. Fast aktuell erscheint nach dem 11. September der innere Konflikt, in dem sich der Katalane befindet. Allein das offene Interesse für die anderen Religionen macht ihn verdächtig. Ausnahmsweise freue ich mich auf die Fortsetzung, die noch ungelesen im Regal steht: In "Wüstensohn" muss der Sohn des Katalanen erfahren, wie die Erkenntnis der Wahrheit ein Leben verändern kann. Der dritte Band "Tränen der Sahara" über eine selbstbewusste Sklavin wird nächstes Jahr erscheinen.

Inspiriert wurde der Romanist Wolf Kunik zu diesem Thema während seines Studien-Aufenthaltes in Andalusien. Nicht zuletzt angesichts der weltweiten Bedrohung durch den arabisch-islamischen Terrorismus ist dieses spannend geschriebene Plädoyer für Menschlichkeit und interkulturelle Toleranz lesenswert. Anja Kühner

Wolf Kunik: Der Katalane. Knaur Verlag, 418 Seiten, 8,90 Euro

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