Rezension
Ein Koka-Bauer wird Präsident

Er ist der erste indigene Präsident Boliviens. Der Autor Muruchi Poma schildert in einer Biographie das Leben von Evo Morales.
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LEIPZIG. Muruchi Poma hat das Leben des bolivianischen Präsidenten akribisch nachgezeichnet. In einem ausführlichen ersten Teil beschreibt Poma das Umfeld des jungen Morales. Aufgewachsen ist er in einem Dorf in ärmlichen Verhältnissen, drei Zimmer hat das kleine Haus der Eltern. Auf mehr als 30 Seiten schildert Poma detailliert die Lebensverhältnisse der Aymara, einer Volksgruppe in Bolivien. Sie seien wichtig, sagt Poma, nur mit diesem Hintergrund könne Morales Denkweise und Politik verstanden werden. "Seine ganze Mentalität ist geprägt durch seine Herkunft."

Wichtig im Leben der Aymara ist der Koka, einKulturgut der Urbevölkerung. Morales war selbst Koka-Bauer und setzt sich seit langem für die Interessen dieser Bauern ein. Dies ist Thema des zweiten Teils der Biographie. Es zieht sich durch das Leben Morales.Die Menschen kauen die Koka-Blätter, ein Ritual, dass lange Tradition besitzt. Aus dem Koka ließe sich allerdings auch die Droge Kokain gewinnen. Vor Morales Amtszeit gab es daher populäre Anti-Drogenkampagnen, die sich gegen den Koka-Anbau wandten. Morales will nun als Präsident sein Wahlversprechen einhalten und die kommerzielle Nutzung der Koka-Pflanze fördern.

Nach 23 Jahren als Gewerkschaftler und Politiker gelingt es Morales im Dezember 2005, die Präsidentschaftswahlen in Bolivien zu gewinnen. Seine politische Laufbahn, der Kampf um das Präsidentenamt und die Erfahrungen als Präsident bilden den letzten Teil der Biographie. "Die ersten Hochrechnungen, die von den Medien nach 18 Uhr verbreitet wurden, waren ein wahrhafter Tsunami, äußerte ein bekannter rechter Politiker. Gemäß bolivianischen Nachrichtenagenturen hatten die Stimmen für Evo Morales bereits 50 Prozent überschritten und in den folgenden Stunden stiegen die Prozentpunkte weiter", schreibt Poma über den Wahlabend. "Die Nachricht, dass ein Koka-Bauer an die Regierung gekommen ist, ließ der westlichen Welt die Haare zu Berge stehen und versetzte sie in Alarmbereitschaft."

Die Biographie ist in einer sehr einfachen Sprache geschrieben. Das habe er jedoch bewusst so gewollt, sagt Poma im Interview. Er hat das Buch in spanischer Sprache verfasst und wolle es auch in Bolivien veröffentlichen. Die Anhänger Morales, die zum Großteil der indigenen Bevölkerung angehören, haben oft nur eine geringe Bildung. Poma wolle jedoch, dass auch sie das Werk über ihren Präsidenten verstehen.

Detailliert sind seine Ausführungen, die sich an einigen Stellen jedoch in der Fülle der Informationen, Daten und Fakten verlieren. Doch auch dies begründet der Autor: Besonders die deutsche Leserschaft nehme es sehr genau und sei "gierig nach Wissen".

Poma hat zahlreiche Familienmitglieder des heutigen Präsidenten Morales besucht und interviewt. Auch mit den Bräuchen der Aymara kennt er sich aus. Er stammt selbst aus Bolivien. Poma war nach eigenen Angaben politisch aktiv, musste jedoch aus seiner Heimat fliehen und kam so 1974 in die ehemalige DDR. Er hat in Leipzig studiert und lebt heute in der Region. Hier lernte er Florencio Morales Aima kennen, einen Cousin des Präsidenten. Beide kamen zur gleichen Zeit in der ehemaligen DDR an. "Er war für das Buch entscheidend. Die Telefonleitung zu ihm ist manchmal heiß gelaufen", sagt Poma.

MURUCHI POMA: Evo Morales, Die Biographie, Militzke Verlag, Leipzig 2007, 224 Seiten, 29,90 Euro

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