Rezension
Mit Maya in der Wirtschaft

Bücher, die Kindern und Jugendlichen erklären, wie Ökonomie funktioniert, sind rar gesät. Das mag daher kommen, dass das Schulfach Wirtschaft in Deutschland immer noch Nebendarsteller in den Lehrplänen ist. Vereinzelt gibt es aber doch Versuche, auch Kindern die Welt der Unternehmen und Finanzmärkte verständlich zu machen.

HB DÜSSELDORF. Einer, der sich bei diesem lobenswerten Unterfangen besonders hervorgetan hat, ist der Wirtschafts-Ressortchef der Süddeutschen Zeitung, Nikolaus Piper. Titel wie "Felix und das liebe Geld" oder "Geschichte der Wirtschaft" (Beltz Verlag) sind seitdem gut geschriebene Klassiker auch schon für Zwölfjährige.

Nun tritt eine Kollegin Pipers an, um Jugendlichen nicht nur Finanzen und Bilanzen, sondern auch das weite Feld der Wirtschaftspolitik zu erklären. Die Journalistin Cornelia Schmergal dekliniert in "Wirtschaftspolitik - Was geht mich das an?" die Standardthemen Arbeitsmarkt, Steuern und Sozialversicherung durch, aber so, dass auch schon Schüler ab den 8. Klassen leicht folgen können.

Was sonst in den Fernsehnachrichten staubtrocken daherkommt, wie Bundeshaushalt, Rentenversicherung oder Tarifabschlüsse, gewinnt in dem soeben erschienenen Taschenbuch schnell Farbe. Da begegnet einem etwa die Kamerafrau Maya, die von heute auf morgen ihren Job verliert, nicht mehr bei ihrem Lieblingsitaliener essen kann und mit den Weiterungen des Arbeitslosengeldes klar kommen muss. Welche Ursachen der Jobverlust haben kann und welche Folgen (auch für den Lieblingsitaliener), das erzählt Schmergal mit Sachkenntnis und vor allem dem richtigen Ton.

Denn darum geht es bei einem solchen Buchprojekt vor allem: Junge Leser bei Themen zu fesseln, aus denen sie wegen Politik-Verdruss schnell wieder aussteigen. Dass Wirtschaftspolitik spannend ist, zeigt Schmergal, im Hauptberuf stellvertretende Politik-Chefin bei der "Welt am Sonntag", geschickt und erfolgreich. Als Maya endlich in Bayern wieder einen Job findet, folgt ihr die Autorin auf dem Fuße und schaut sich Mayas neue Gehaltsabrechnung mit auf dem Computer an - und schon beginnt das Thema Steuern und Sozialbeiträge.

Für Erwachsene ist das Buch eigentlich nicht gedacht. Die sollten als Arbeitnehmer, Rentner, Steuerzahler und Krankenversicherte über die großen Linien der Wirtschaftspolitik im Bilde sein. Vor (und nach) Bundestagswahlen entsteht aber doch immer wieder Verunsicherung, was die Parteien eigentlich meinen, wenn sie Reformen auf dem einen oder anderen Gebiet anpreisen. Wer da doch ein kleines genüssliches Update braucht, kann sich auch in reiferen Jahren Schmergals schönes Wirtschaftsbuch gönnen.

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