Rezension
Stephen Kings neuester „Anschlag“

Stephen King ist zurück. Sein neues Buch heißt „Der Anschlag“. Die Idee: Ein Lehrer reist per Wundertrick zurück in die Vergangenheit, um das Attentat auf John F. Kennedy zu verhindern. Spannung ist garantiert.
  • 3

DüsseldorfEndlich - werden sich viele Fans von Stephen King sagen - endlich ist es da, sein neues Buch. Der Anschlag heißt es, aber es geht entgegen des ersten Reflexes keineswegs um die Taliban oder andere Terroristen, sondern um John F. Kennedy. Das ist lange her, mag man da einwenden, gut 48 Jahre um genau zu sein. Aber die spannende Frage ist: Was wäre aus der Welt geworden, wenn JFK länger Präsident der USA gewesen wäre?

Dem allen geht Stephen King auf gut 1000 spannenden Seiten nach. Seine Hauptfigur ist der Englischlehrer Jake Epping. Angestellt an der Lisbon Falls High School in Maine, geschieden, eine Katze - Eppings Leben plätschert vor sich hin. Bis er sich eines Abends von seinem an Lungenkrebs erkrankten Freund Al zeigen lassen muss, wie er ohne jeglichen Aufwand ins Jahr 1958 spazieren kann. Einfach so, immer wieder. Selber Ort, selbes Datum, selbe Uhrzeit. 

Al verrät sein Geheimnis allerdings nicht ohne Hintergedanken. Er will, dass Epping lange genug in der Vergangenheit lebt, um Lee Harvey Oswald, den Attentäter von Kennedy, an den Schüssen zu hindern. Widerspruch ist zwecklos - denn Al stirbt noch in der Nacht.  Allein schon diese Rahmenhandlung bietet ausreichend Attraktivität. Doch dazu kommt diese irrsinnig witzige Idee, einen Mensch aus der Gegenwart durch die 50er-Jahre spazieren zu lassen. Eine Zeit, in der man sein Haus noch nicht abschließen musste und so ziemlich alles mochte außer „Nigger, Schwule und Juden“.

Kings Roman unterscheidet sich von den Horrorgeschichten, durch die der amerikanische Autor zu einem der bestverdienenden Schriftsteller der Gegenwart wurde. Statt Nervenkitzel durch Grausamkeiten sorgt in dem über 1000 Seiten dicken Buch vor allem das „Was wäre wenn?“ für Spannung. Kann ein Englischlehrer aus dem Jahr 2011 die Geschichte vor rund 50 Jahren in einem Maße verändern, die alles, was seither geschehen ist, beeinflusst? Und mit welchen Folgen?

Nach Eppings Schritt in ein Amerika vor seiner Zeit sind es noch rund fünf Jahre bis zum Attentat in Texas. Er zieht in eine Kleinstadt und arbeitet bald wieder als Englischlehrer. Die Zeit Anfang der 60er gefällt ihm: große Autos, günstiges Essen und gute Musik.

Seite 1:

Stephen Kings neuester „Anschlag“

Seite 2:

„Ich habe jede Nacht einen Kasten Bier getrunken“

Kommentare zu " Rezension: Stephen Kings neuester „Anschlag“"

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  • Nope, als Bachmann hat er nur geschrieben, wenn es nicht mehr als eine Skizze war. Das hier ist im Grunde das erste Buch, daß er eigentlich schreiben wollte. Sieht ganz so aus, als hätten Sie es weder egelesen noch gehört.

  • Früher hat er sowas als Richard Bachman geschrieben.

  • Stephen King ist einfach der Charles Dickens unserer Tage.

    Was den Anfang betrifft, ja, der wuchert tatsächlich ein wenig aus und ich hätte mir gegen Ende ein bißchen mehr als das kurze Gespräch mit Al und die dahingehuschte Zeichnung der Konsequenzen erwartet, aber was soll's - das traurig schön Ende versöhnt dann doch wieder.


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