Rezension „The Endless River“ Sonderedition
Die endlos sprudelnde Geldquelle

Mehr als nur Musik: Pink Floyd ist sich bei der Veröffentlichung des Albums „The Endless River“ treu geblieben und stopft Schnickschnack in Sondereditionen. Das war mal innovativ. Jetzt ist es nur noch Geldmacherei.
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DüsseldorfVerwunderung, Verzückung und Verachtung: In überraschte und begeisterte Reaktionen von Musikwelt und Fans über das seit 20 Jahren erste neue Album der Rockband Pink Floyd haben sich auch die Stimmen von Kritikern gemischt. Sie sehen in der Veröffentlichung von „The Endless River“ geldgierige Resteverwertung von Material, das bereits 1994 nicht genug gewesen sei, um im bis dato letzten Studioalbum „The Division Bell“ veröffentlicht zu werden.

Dazu kommt, dass die beiden verbliebenen Pink-Floyd-Mitglieder, die rund 70-jährigen Multimillionäre David Gilmour und Nick Mason, in den vergangenen Jahren an den Neuauflagen von längst bekannter Musik verdienten - obwohl sie das persönlich gar nicht mehr nötig haben.

Damit auch das neue „The Endless River“ als endlos sprudelnde Geldquelle bewährt und möglichst viele verschiedene Musikfreunde anspricht, haben Pink Floyd das Album in vier unterschiedlichen Konfigurationen auf den Markt gebracht. Sie kosten zwischen 13 und 35 Euro und bieten die immer gleiche Musik auf CD, DVD, Blueray oder Schallplatte.

Während die günstigste Variante mit Hardcover-Booklet und CD auskommt, gibt es in der doppelt so teuren nächsten Preisklasse schon acht Seiten mehr, eine Zusatz-DVD und drei „Sammlerpostkarten“. Wer diese großformatigen Postkarten an wen verschicken soll, ist unklar – zumal zwei der Motive angesichts mangelnder Aussagekraft und Ästhetik wahrlich keine Hingucker sind.

Genau das hat Pink Floyd allerdings früher ausgemacht: Das in neutrales Plastik eingepackte Cover von „Wish You Were Here“ sorgte 1975 paradoxerweise für Aufmerksamkeit. Ebenso eine pulsierend blinkende LED-Lampe bei der Verpackung der Konzertaufnahme „Pulse“. Doch diese Kreativität zeichnet die Macher der aktuellen Sondereditionen nicht mehr aus.

„The Endless River“ kann musikalisch begeistern und der Vorwurf der Resteverwertung kann widerlegt werden. Schließlich ist nicht jede Musik, die es nicht auf ein Album geschafft hat, gleich minderwertig – vielleicht passte sie damals einfach nicht zum Gesamtkonzept. Zudem ist das 20 Jahre alte Material hervorragend aufgearbeitet, ergänzt und neu produziert worden und klingt angenehm zeitlos. Trotzdem müssen auch Befürworter der neuen Platte zugeben, dass Postkarten, Booklet und Sonderdisc nur eingefleischten Pink-Floyd-Fans einen Mehrwert bieten, der den hohen Preis der Sondereditionen rechtfertigt. Auf DVD bzw. Blueray bekommen audiophile Anhänger einen 5.1.-Mix des Albums auf die Ohren – damit erfüllt die Band die Bedürfnisse ihrer treuesten Zielgruppe. Das Zusatzmaterial, einige wenig aufregende Videos aus den Proberäumen der Band, gewährt Liebhabern einen Blick hinter die Kulissen. Mehr als „nett“ ist aber auch das nicht.

Pink Floyd waren viele Jahre lang mehr als Musik: Unnahbarer Bombast und glorreiche Gigantomanie, gesellschaftskritische Botschaften in kreativer Verpackung. Übrig geblieben sind ein paar Postkarten, körnige Videos von vor 20 Jahren und die Erkenntnis, dass die Musik- und Foto-Archive einer monumentalen Band nun ziemlich leer sein dürften. Auch so kann man Abschied nehmen.

Christoph Henrichs
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

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