Rezensionen
Geschichte der Cassirer-Galerie rekonstruiert

Die Geschichte der Galerie Paul Cassirer lässt sich in zwei Bänden nachlesen. Die Autoren haben mithilfe der Ausstellungs-Rezensionen der damaligen Kunstautoren die Diskussion um die Kunst der Zeit abgebildet.
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Fünf Kilogramm schwer, 1250 Seiten dick und mit 1 100 Farbabbildungen gespickt sind zwei Bände, die Kunstgeschichte schreiben. Die von Bernhard Echte und Walter Feilchenfeldt edierten Bücher rekapitulieren mit geradezu archäologischer Akribie die Geschichte der Berliner Galerie Paul Cassirer von 1898 bis 1905. Wesentliche Teile des Firmenarchivs, darunter frühe Ausstellungskataloge und Karteikarten, gingen nach 1933 verloren.

Die Autoren werteten deshalb die Feuilletons von einem Dutzend historischer Berliner Tageszeitungen aus, denn die Tagespresse war mehr als die Kunstzeitschriften Forum intensiver Auseinandersetzung mit dem Impressionismus und der frühen Moderne.

Diese Sisyphusarbeit, die die Rezensionen der Cassirer-Ausstellungen von Max Osborn, Hans Rosenhagen, Curt Glaser und vielen anderen heute vergessenen Kunstautoren ans Licht hebt, ist nicht hoch genug zu bewerten. Ansporn für Kunsthistoriker, künftig auch die in Zeitungsarchiven schlummernde, verborgene Primärliteratur zu berücksichtigen.

Wer diese Rezensionen liest, zu denen die betreffenden Exponate recherchiert und abgebildet wurden, liest sie mit Gewinn und Staunen. Hier, und nicht in den Schriften von Scheffler, Meier-Graefe oder Tschudi findet die intensivste Diskussion um die neue Kunst statt.

Die Kritiken stehen im Kontext der jeweiligen Schau, in der Aufteilung wurde Cassirers Jahrgangs- und Ausstellungsgliederung übernommen. Die Rezensionen werden von einem ausführlichen Apparat begleitet, der die Quellen nennt, die Kataloge dokumentiert und die in den Ausstellungen gezeigten Objekte in die bislang publizierten Werkverzeichnisse einordnet.

Berhard Echte, Walter Feilchenfeldt: "Das Beste aus aller Welt zeigen". Der Kunstsalon Bruno & Paul Cassirer 1898 - 1901.

"Man steht da und staunt". Kunstsalon Paul Cassirer. Die Ausstellungen 1901-1905.
Nimbus Verlag, Wädenswil.
Zwei Bände im Schuber 98 Euro, ISBN 978-3-907142-61-5, ab 20.5. im Buchhandel

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