Rheingau Musikfestival
Rheinhören

Warum ist es beim Rheingau Musikfestival so schön? Klassische Konzerte vor traumschöner Kulisse und gepaart mit Wein benebeln die Sinne. Über 120.000 Besuchern strömen jährlich in die Region zwischen Frankfurt, Wiesbaden und Lorch.

Es ist eine Landschaft, die zu Tränen rührt – und das ist nicht übertrieben, sondern Selbsterfahrung. Die Strecke den Rhein hinauf von Mainz nach Koblenz, der Morgen früh, die Aussicht aus dem IC-Fenster bewegend. „Ich bin stolz, Deutscher zu sein ...“ – der Slogan rechter Deppen wird im Rheintal zum demagogiefreien Lebensgefühl, zurückerobert in den stimmigen Kontext aus Landschaft und Kultur. Überhaupt: Hat sich hier nicht Heinrich Heine am „Deutschsein“ abgearbeitet? Liebevoll über die linke Seite gedichtet „... kurz, der Liebe heitre Kunst. – Da seid Meister ihr, Franzosen! ...“ und böse die Barbaren abgewatscht: „Aber wir verstehn uns baß, Wir Germanen, auf den Haß“ dichtet er 1851 in „Diesseits und jenseits des Rheins“. Der würde sich wundern, der Herr Heine, käme er heute in das friedliche Tal, er würde wahrscheinlich die deutsche Lust am Savoir-vivre mit einem edlen Tropfen des Schlosses Johannisberg, der ältesten Riesling Domäne der Welt, begießen.

Doch der Dichter und Denker musste sich im Pariser Exil die Heimat herträumen: „Mon dieu, wenn ich doch soviel Glauben in mir hätte, dass ich Berge versetzen könnte, der Johannisberg wäre just derjenige Berg, den ich mir überall nachkommen ließe.“ Er ist d'accord mit Goethe, der sich in der „Rheingau Chronik“ durch das Tal und über die Weinberge schwärmt. Dass eben das Spielort eines der schönsten Klassikfestivals der Welt ist – das haben wohl nicht mal die denkenden Dichter zu wünschen gewagt. Und das in der Basilika des Klosters Eberbach der Israeli Eliahu Inbal das sinfonische Werk von Bruckner so großartig dirigiert, das würde Heine, dem Kritiker germanischer Lebensart, wohl die spitze Feder weich werden lassen.

Es ist aber auch ein Erlebnis, das jeden Kunstsinnigen mit dem Alltag versöhnt, „... da seine Sinfonien immer wieder Neues offenbaren, neue Schichten freilegen“, sagt Daniel Barenboim über den Komponisten. Hier, am Drehort von „Der Name der Rose“, wird das Werk mythisch erhöht. Zurück in der Wirklichkeit empfiehlt sich Meister Goethe als Reiseführer: Der nannte den Tropfen des Weinguts Mumm eine „hochgesegnete Gebreite“. Recht hat er und trank sich wohl ob der eher spartanischen Unterkünfte seiner Zeit in den Schlaf.

Heute residiert der Reisende in der Burg Crass im historischen Luxusambiente, und wo Goethe sich noch über „fette Speisen“ freute, da wird ein anderer Löffel geschwungen. Wenn auch mit Referenz an eine üppige Geschichte, schaut man auf die Karte der Adlerwirtschaft: Gebratene Blutwurst von Freilandschweinen mit Apfel-Quittenbrei lässt Sternekoch Franz Keller auffahren und Linsensalat mit gebackener Leberwurst mit Schalottenvinaigrette. „Heimat ist überall dort, wo sich der Geruch guten Essens verbreitet“, sagt Keller. Also keine Angst vor deutschen Genüssen und Genießern.

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