Roadmovie „Sound of Heimat“
Auf der Suche nach der deutschen Seele

Wenn sich ein neuseeländischer Jazzmusiker in einem deutschen Kuhstall wiederfindet, ist das kein Zufall. Im Roadmovie „Sound of Heimat“ will Hayden Chisholm die deutsche Volksmusik entstauben - ein gewagtes Experiment.
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DüsseldorfKaum ist der Vorspann im Kölner Residenzkino über die Leinwand geflackert, beginnt das Premierenpublikum zu singen. Ein gewagtes Experiment, die Zuschauer zum Mitsingen aufzufordern – und gewagt ist das ganze Projekt. „Sound of Heimat – Deutschland singt“ (Regie: Arne Birkenstock und Jan Tengeler) ist ein Film über die deutsche Volksmusik. Allein das Wort weckt bei den meisten Assoziationen an klebrig-süße Melodien und Texte aus Sendungen wie dem Musikantenstadl.

Kein schlechter Einfall, den vorurteilsfreien Neuseeländer Hayden Chisholm auf Reisen zu schicken, um sich dem heiklen Thema zu nähern. Der studierte Jazzmusiker hat die Volksmusik unterschiedlichster Länder und Kulturen kennengelernt. Das Verhältnis, das viele Deutschen zu ihrer traditionellen Musik haben, verwundert ihn: „Dieselben Menschen, die feuchte Augen bekommen, wenn ein Indio zum Tausendsten Mal ,El Condor Pasa‘ in seine Panflöte bläst, kriegen Pickel, wenn man sie auf die Melodien ihrer Heimat anspricht.“

Zuerst hört sich Chisholm in seiner Wahlheimat um - es wird wohl keine deutsche Stadt in so vielen Liedern besungen wie Köln. Dass die nicht nur zur Karnevalszeit geschmettert werden, beweist sein Besuch in der Kneipe „Weißer Holunder“. Jeden Sonntag treffen sich hier die Menschen zum Singen - Arbeiterlieder, traditionelle italienische Melodien, Klezmermusik und natürlich das kölsche Liedgut.

Hier begegnet Chisholm den jungen Musiker von BamBam Babylon Bajasch. Die Hip-Hopper treffen sich unter einer Brücke, um die Texte der von den Nazis verfolgten „Edelweißpiraten“ neu zu vertonen. Schnell wird klar - Volksmusik ist alles andere als stets angepasster Einheitsbrei.

Dann geht die Reise so richtig los. Im Allgäu besucht der Musiker einen Jodelkurs und trifft in der Nähe von München auf die vielleicht musikalischste Familie Bayerns. Den 15 Kindern von Hermann und Traudl Well sind nicht nur die über die Landesgrenzen hinaus bekannten Biermösl Blosn entsprungen, sondern auch das Schwestern-Pendant Wellküren. Beide Gruppen verbinden traditionelle bayrische Musik mit spitzzüngiger Satire.

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Auf der Suche nach der deutschen Seele

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Anrührende Begegnung

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