Roches "Schoßgebete"

Viel mehr als nur Provokation

Charlotte Roche hat es wieder getan. Sie hat ein Buch geschrieben über ganz Privates - und natürlich über Sex. Auch wenn sie kein Blatt vor den Mund nimmt, steht das Körperliche diesmal nicht an erster Stelle.
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„Ich bin keine Schriftstellerin“
Charlotte Roche veröffentlicht neues Buch
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Mit "Schoßgebete" legt die ehemalige Viva-Moderatorin ihren zweiten Roman vor. Natürlich geht es auch in diesem um Tabus und jede Menge Sex. Die Skandalautorin schreibt über ehelichen Geschlechtsverkehr, Neurosen und den Unfall ihrer Familie, bei dem vor zehn Jahren ihre drei Brüder ums Leben kamen und ihre Mutter schwer verletzt wurde. "Für mich ist so ein Buch ein Riesentherapiegespräch."

Charlotte Roche veröffentlicht neues Buch
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Lesung aus "Feuchtgebiete". Der Erfolg mit ihrem Erstlingswerk, das 2008 zum meistverkauften Buch avancierte, sei wie "eine ekelhafte Kokainsucht" gewesen. Roche habe für die Pressearbeit "alles gemacht, mit jedem gesprochen, der mit mir sprechen wollte, außer den Springer-Leuten. Am Ende ist das fast wie Prostitution, es bleibt nicht viel übrig von einem".

«Schoßgebete», neues Buch von Charlotte Roche
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Dennoch verzichtet die Autorin nicht darauf, auch ihr neues Buch medienwirksam zu inszenieren: Gemäß dem Motto "Sex sells" kündigt Roche an, ...

Am Mittwoch erscheint Charlotte Roches neuer Roman "Schossgebete"
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"Ich beschreibe den Sex so, wie ich ihn mache oder wie ich es gern machen würde, wenn ich mal mehr Zeit hätte. Die Idee ist es, sehr viel von sich preiszugeben, obwohl das natürlich auch peinlich ist, weil ich ja fast alles hinschreibe, was ich gelernt habe über Sex und übers Blasen."

Charlotte Roche veröffentlicht neues Buch
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Mit Äußerungen wie dieser polarisiert Roche. Tabubrüche nimmt die Autorin bewusst in Kauf: "Es ist schön, wenn Leute sich aufregen, damit komme ich gut klar", sagt Roche und lässt ihrer Abneigung gegen Boulevard-Blätter freien Lauf: "Es hilft, wenn dümmere Medien sich empören."

Charlotte Roche will «sehr viel von sich preisgeben»
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Roche schreibt wie sie denkt. Ansprüche, dem neuen, in vielerlei Hinsicht autobiographischen Buch einen literarischen Anspruch zu geben, hat die in England geborene Roche nicht. "Ich bin keine Schriftstellerin", sagt sie über sich. Und: "Ich kann auch nicht beurteilen, ob etwas gut geschrieben ist."

Charlotte Roche will ´sehr viel von sich preisgeben»
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Ihr Buch hat Roche von Juristen absichern lassen. Selbstbewusst sagt die 33-Jährige: "Die Boulevard-Medien sind viel pornografischer als ich." Wie Medien ticken, verstehe Roche und legt in Richtung Bild und Co. nach: "Wenn die zu weit gehen, wird geklagt."

MünchenIhr Debüt-Roman löste vor drei Jahren so etwas wie ein literarisches Erdbeben in Deutschland aus. „Feuchtgebiete“ über die sexuellen Fantasien einer 18-Jährigen sorgte wie kaum ein anderer Roman der jüngeren Geschichte für eine gesellschaftliche Debatte in deren Mittelpunkt Sex, Ekel und Hygiene-Wahn standen. Jetzt legt die 33-jährige Charlotte Roche nach - und macht doch alles ganz anders. Mit großer Spannung wurde ihr zweites Buch „Schoßgebete“ erwartet, das ab Mittwoch (10. August) im Handel zu haben ist. Einen neuen Tabubruch kündigte der Verlag Piper in München in einer ausgeklügelten Marketing-Strategie an. Die Erstauflage liegt bei 500.000 Exemplaren - ein Rekord für den Verlag.

Tabubruch ist sicher das falsche Etikett für „Schoßgebete“ - selbst wenn die gebürtige Britin auch diesmal kein Blatt vor den Mund nimmt. Die Geschichte der (wie Roche) 33-jährigen Elizabeth Kiehl und ihres Mannes Georg und das, was die beiden in ihrem eigenen Bett und dem von Prostituierten so treiben, beschreibt die Autorin zwar in allen Details. Dabei überschreitet sie sicher auch immer wieder die Grenzen zur Pornografie. Aber das ist - ganz im Gegensatz zu den „Feuchtgebieten“ - nicht der Kern des Buches. Während Helene Memel, die Hauptfigur der „Feuchtgebiete“, vor allem ihren Hintern inspizierte, untersucht Elizabeth auf 288 Seiten ihre Seele, „die nicht vorhandene“.

„Schoßgebete“ ist keine bloße Aneinanderreihung von Provokationen, sondern das hervorragend geschriebene Porträt einer jungen Frau, die vor allem eins will: gefallen. Das Buch ist das Protokoll von drei ganz normalen Wochentagen im Leben dieser Frau. Elizabeth - zutiefst verunsichert, abergläubisch, ehemals magersüchtig und paranoid - will eine gute Mutter sein, eine Vorkämpferin für den Umweltschutz, die Lieblingspatientin ihrer Therapeutin - und eine Granate im Bett. Selbst für die hübschen Nutten, zu denen sie gemeinsam mit ihrem Mann immer wieder geht, weil ihm ein Dreier soviel Spaß bereitet, macht sie sich besonders schön. „Ich möchte so gerne einzigartig sein“, lässt Roche ihre Protagonistin sagen.

Dass in Elizabeth viel von ihr selbst steckt, daraus macht die Autorin keinen Hehl. Ihr Mann sei nach dem Lesen erst einmal „hinten rüber gefallen“, sagte Roche der Zeitschrift „Brigitte“. „Dieser Roman basiert auf einer wahren Begebenheit. Darüber hinaus ist jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen sowie realen Geschehnissen rein zufällig“ - das steht am Anfang des Buches. Sie müsse aufpassen, „dass es in der öffentlichen Wahrnehmung überhaupt noch eine Trennung gibt zwischen dieser Figur und der Autorin“, sagte Roche dem „Spiegel“.

Die Gründe für Roches Wut auf Boulevardmedien
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1 Kommentare zu "Roches "Schoßgebete": Viel mehr als nur Provokation"

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  • Ach, die Verlage und Literaturagenturen hatten ja so notgeil auf eine
    Nachfolgerin des „Feuchtgebiete“-Pamphlets gewartet, das zuvor die
    Kassen hatten klingeln lassen, doch vom Hegemädchen kam nur Abgeschriebenes. Und nun schon wieder ein "moderner" Roman, der unbedingt natürlich braucht: Sex, Sex Sex, Schmutz, Körperflüssigkeiten und Drogen. Sansation, Sansation, Sansation!! Da lob ich mir Autoren wie Marco Meng, die ihre Sachen dann lieber selbst herausgeben als sich der Kulturschickeria anzupassen.

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