Rote Armee Fraktion: Gefangene der eigenen Geschichte

Rote Armee Fraktion
Gefangene der eigenen Geschichte

Mit einer solchen Debatte hatte man gerechnet, nur nicht jetzt schon. Fast dreißig Jahre ist es her, dass der Terror der Roten Armee Fraktion (RAF) den Begriff vom „Deutschen Herbst“ prägte. Aktuelle Bücher über die RAF werfen ein neues Licht auf den Terror von links.

DÜSSELDORF. Generalbundesanwalt Siegfried Buback, Bankier Jürgen Ponto, Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer – sie alle wurden Opfer von Terroristen, die dem Staat den Krieg erklärt hatten. Nun haben die ehemaligen Mitglieder der der Roten Armee Fraktion (RAF), Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar, um vorzeitige Haftentlassung ersucht, und die Diskussion über die RAF, ihre ideologischen Wurzeln und ihre mörderischen Taten ist im vollen Gange.

Wer sich mit der RAF und ihrem „Kampf gegen das Schweinesystem“ beschäftigen möchte, kommt um die Bücher von Wolfgang Kraushaar nicht herum. Nun hat der renommierte Politologe neue Forschungsergebnisse zusammengetragen und in zwei Bänden veröffentlicht. Das Resultat lässt sich ohne Zweifel als Enzyklopädie des linken Terrorismus bezeichnen. 47 Wissenschaftler haben daran mitgewirkt. In mehr als sechzig Einzelbeiträgen beleuchten sie alle nur erdenklichen Aspekte rund um das Thema RAF.

„Die terroristische Herausforderung war eine politische, die auf die Legitimität des Verfassungsstaates abzielte“, umreißt Kraushaar bereits in der Einleitung die Absichten der Terrorgruppe. Rasch sprachen die Medien von der „Baader-Meinhof-Bande“, die sich um die Protagonisten Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof gebildet hatte.

Natürlich wäre jede Abhandlung ohne eine Klärung dessen, was „Terrorismus“ eigentlich ist, unvollständig. Ein schwieriges Unterfangen, denn: „Terrorismus ist ein begriffliches Chamäleon“, so Kraushaar. Dennoch unternehmen die Autoren anhand einer Vielzahl von Kriterien den Versuch, die Unterschiede zwischen konventionellem Krieg, Guerillakrieg, Terrorismus und Staatsterrorismus herauszudestillieren und so dieses Phänomen näher zu definieren. Wer nun befürchtet, dass diese Ausführungen in ungenießbarem Soziologendeutsch verfasst wurden, der sei beruhigt. Alle Texte bestechen durch ihre klare Sprache. Keine Geschichte über die RAF wäre aber vollständig ohne die Biografien ihrer Akteure. In einem eigenen Abschnitt werden die RAF-Begründer und ihre Nachfolger vorgestellt, wobei der Lebenslauf von Horst Mahler besonders auffällig ist.

Aus einem Elternhaus kommend, das ideologisch dem Nationalsozialismus nahe stand, mutierte der gelernte Jurist erst zum Anwalt linker Terroristen, reihte sich später in die RAF-Kader ein und ist heute als bekennender Rechtsextremist eine der Galionsfiguren der NPD. „Mahler ist inzwischen dort angekommen, von wo er aufgebrochen ist“, lautet denn auch das Resümee.

Lobenswert an dem Kompendium über den linken Terror ist ebenfalls der Blick ins Ausland. In Beiträgen über die „Roten Brigaden“ in Italien oder die „Japanische Rote Armee“ werden die Vernetzungen mit internationalen Parallelorganisationen herausgearbeitet. Insbesondere mit der „Volksfront für die Befreiung Palästinas“ kam es zu einer unrühmlichen Kooperation, als 1976 deutsche Mitglieder der „Revolutionären Zellen“ gemeinsam mit palästinensischen Terroristen ein Verkehrsflugzeug nach Entebbe in Uganda entführten und an Bord eine Selektion jüdischer Passagiere von nicht-jüdischen Passagieren vornahmen.

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