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„Rote Liste“: Der Kölner Dom und die Hochhäuser

Der Dom ist das Wahrzeichen Kölns und lockt jährlich sechs Millionen Menschen an den Rhein. Doch nun steht die gotische Kathedrale auf der „Roten Liste“ des Welterbes - weil auf der rechten Rheinseite gegenüber dem Dom mehrere Hochhäuser geplant sind.

dpa KÖLN. Der Dom ist das Wahrzeichen Kölns und lockt jährlich sechs Millionen Menschen an den Rhein. Doch nun steht die gotische Kathedrale auf der „Roten Liste“ des Welterbes - weil auf der rechten Rheinseite gegenüber dem Dom mehrere Hochhäuser geplant sind.

Seit 1996 steht der Dom auf der Liste der Unesco-Welterbestätten. Ob das auch so bleibt, entscheiden voraussichtlich im Juli 2005 in Südafrika die 21 Mitglieder des Welterbe-Komitees bei ihrer jährlichen Sitzung. Werden die geplanten Bauvorhaben umgesetzt, wird der Dom von der Liste gestrichen. Damit einher ginge ein enormer Imageschaden.

Die Unesco hatte die Kathedrale auf die „Rote Liste“ gesetzt, weil die geplanten Bauten die „visuelle Integrität des Doms und seine stadtprägende Wirkung“ bedrohen könnten. Der Dom mit einer Höhe von rund 157 Metern ist für die Besucher Kölns schon von weitem zu sehen. „Er hat als herausragendes Bauwerk seit Jahrhunderten das Panorama der Stadt geprägt“, sagt Dieter Offenhäußer, Sprecher der deutschen Unesco-Kommission. Eines der nun geplanten Hochhäuser soll 103 Meter hoch werden, vier weitere Bauten in den Sichtachsen der Kathedrale ähnlich hoch. „Die seit Jahrhunderten prägende Silhouette der Stadt mit einer Bebauung, die niedriger als der Dom ist, würde sich mit den Neubauten wesentlich verändern“, sagt Offenhäußer.

„Aber jetzt sind einige Leute wach geworden und kümmern sich darum.“ Die Bundesregierung, das Auswärtige Amt und das nordrhein- westfälische Kultusministerium seien nun gefragt. „Sie werden alles tun, um diese Schande abzuwehren, denn international wäre eine Auslistung ein enormer Prestigeverlust“, sagt der Unesco-Sprecher. Immerhin gelte Deutschland als Geburtsland des Denkmalschutzes. Rund 35 Stätten weltweit sind den Angaben zufolge derzeit auf der „Roten Liste“. „Das sind Stätten, die von Naturkatastrophen oder Kriegen bedroht sind.“ Doch beim Kölner Dom liegen die Dinge anders: Es ist die erste Stätte, die wegen Baumaßnahmen auf die „Rote Liste“ des gefährdeten Welterbes gesetzt wurde.

Gerade auf der internationalen Bühne hätte eine drohende Auslistung verheerende Auswirkungen. „Das würde bedeuten, dass ein immer noch reiches Land nicht in der Lage ist, seine eigenen Welterbestätten zu schützen, so wie beispielsweise Albanien, Kongo oder Afghanistan“, meint Offenhäuser. Schon einmal waren der Unesco in Deutschland geplante Bauvorhaben im Umfeld einer geschützten Stätte ein Dorn im Auge, die Aufnahme auf die „Rote Liste“ stand im Raum. Stein des Anstoßes war die Umgestaltung des Bahnhofs in Potsdam, im direkten Umfeld des Schlosses und der Parks von Sanssouci. „Die Pläne wurden komplett überarbeitet, und deshalb ging da alles glimpflich ab“, sagt Offenhäußer.

Das in Sachen Kölner Dom entscheidende Komitee hat nach den Worten des Unesco-Experten im kommenden Jahr bei ihrer Tagung drei Möglichkeiten: Wenn Köln bei seiner bisherigen Planung bleibt, könnte das bedeuten, dass der Dom von der Welterbeliste fliegt. „Das wäre das erste Mal in der Geschichte“, sagt Offenhäußer. Bei wesentlichen Änderungen der Kölner Pläne könnte es auch Entwarnung geben und der Dom von der „Roten Liste“ heruntergenommen werden. „Oder die Entscheidung fällt ein Jahr später bei der nächsten Jahrestagung des Komitees.“

Schon der Eintrag des Kölner Doms in die Welterbeliste war mit einer Auflage versehen worden. „Dabei geht es um eine Schutzzone, die auch das Umfeld einschließt“, sagt Offenhäußer. Verbindliche Vorgaben für diese Ausgestaltung mit dem Dom als herausragendem Element des Panoramas wurden aber laut Offenhäußer von der Stadt nicht vorgelegt. „Bei der Bebauung auf der gegenüberliegenden Seite befürchtet das Komitee nun, dass die Einzigartigkeit des Kölner Doms in Frage gestellt wird - und zwar würde der Dom nicht mehr als das dominierdende Bauwerk in Köln zu sehen sein. Das historische Stadtbild wäre verändert.“

Zwar hatte die Stadt Anfang des Jahres einen 160-seitigen Planungsbericht für den Bau mehrerer Hochhäuser an die Unesco gegeben. „Nur wurde mit der Umsetzung des Konzepts angefangen, bevor das OK des Komitees kam“, erklärt Offenhäußer. Bis Dezember soll nun eine von der NRW-Landesregierung eingesetzte Arbeitsgruppe einen von der Unesco erbetenen Bericht erstellen. Neben konkreten Angaben zu der verlangten Schutzzone müsse es „substanzielle Veränderungen an den Hochhausplanungen geben“. Nach der Abgabe des Berichts werde man noch vor der Entscheidung in Südafrika „Atmosphärisches hören“, wie die Ausführungen angekommen seien, meint der Unesco-Experte.

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