Rudern ist der Sieg des Teams über die Launen des Egos
Am Riemen reißen

Da unten auf dem Kanal keuchen die beiden Ruderer bis kurz vor der Flatter-Atmung. Ihre Riemen tauchen sie mit enormer Schlagzahl ins Wasser, mehr als 30-mal pro Minute. Fast hörbar brennt ihr Atem. Stieren Blickes geben sie im "schwarzen Tunnel" ihr Letztes.

Es ist dieser Zustand jenseits allen Sauerstoffs, in dem sich die Wahrnehmung der Athleten scheuklappenartig verengt und sich allenfalls auf das Geschrei des Coaches beschränkt, wie die ehemalige Erfolgsruderin und heutige Verbandssprecherin Cora Zillich erläutert.

"Noch fünf Schläge! Noch drei! Schu, schu! Schu, schu!"

Kaum weniger angestrengt als seine Männer brüllt ihr Coach da oben auf dem Treidelpfad längs des Elster-Saale-Kanals bei Leipzig, treibt sie in den finalen Rhythmus, um aus ihnen noch ein allerletztes Fitzelchen an Tempo herauszuholen, bevor sie sich ins Ziel werfen dürfen.

Fix, fertig und glücklich zugleich.

Vielleicht ist es diese widersprüchliche Mischung aus emotionalen Höhe- und körperlichen Tiefpunkten, diese lustverquälte Erotik der Verausgabung, nach der Rennruderer am Ende gieren wie Ertrinkende nach Wasser.

"Jede Konfrontation mit der eigenen Leistungsgrenze gemahnt uns an eine andere, unüberwindlichere Grenze", schreibt der amerikanische Sportautor und Ruderexperte Craig Lambert.

Im Ziel knicken viele bauchwärts ein, andere richten sich schnurgerade auf, umkrampfen kurz die Riemen ihres Bootes, als hätten sie Angst, sie zu verlieren - und erholen sich so schnell, wie sie sich verausgabt hatten. Die Regenerationsfähigkeit von Ruderern ist legendär.

Der feuerköpfige Schreihals da oben auf dem Treidelpfad ruft ihnen irgendwas Ermunterndes zu, spart nicht an Kritik und macht sich stracks auf seinem Rad Richtung Start davon, um alsbald andere Schützlinge schreiend zu begleiten.

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