Russenauktionen
Run auf Reliquien der Zaren

Für Zigarettendosen und Manschettenknöpfe vom St. Petersburger Hofjuwelier Fabergé leisten sich Russen bei Sotheby's wieder Bieterwettkämpfe. Die Pretiosen der Romanows wurden vor 90 Jahren in zwei Kissenbezügen versteckt und kürzlich wiederentdeckt. Die Rekordpreise zeigen, so Beobachter, eine mögliche Erholung im Kunstmarkt an.
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LONDON. Auch Russen schöpfen wieder Mut für die Kunst, der steigende Ölpreis lässt auch ihre legendäre Lust zum Auktionswettkampf wieder aufleben. Das sah man nicht nur bei dem phänomenalen Run auf die Pretiosen von Großfürstin Maria Pawlowna bei Sotheby's, wo die Manschettenknöpfe und Zigarettenetuis der Romanows die Schätzung fast verzehnfachten und den über 20 Urenkeln ein unverhofftes Erbe von über 7 Mio. Pfund einspielten.

Die Russland-Auktionen der vier Londoner Häuser (Sotheby's, Christie's, MacDougall, Bohams) brachten mit einem Gesamtumsatz von 39,7 Mio. Pfund mehr auf die Waage als im Juni und lagen gar nicht mehr so dramatisch hinter den Ergebnissen vom Herbst 2008 (49 Mio. Pfund) und 2007 (55 Mio. Pfund) zurück. Drei Gemälde brachten Preise über 1 Mio. Pfund - davon zwei im Auktionshaus MacDougall. "Dieser Erfolg bestätigt, dass sich der Kunstmarkt erholt hat", bilanzierte Auktionator William MacDougall.

Sotheby's setzte die Fabergé-Pretiosen zu 100% ab

Sotheby's sogenannter "White Glove"-Erfolg - jedes Los wird verkauft - für die 110 Romanow-Lose war nicht ganz unerwartet. Ein Freund der Großfürstin hatte 1918 in den Revolutionswirren die Wertgegenstände eilends um Wladimir-Palast in Petrograd zusammengerafft, in zwei Kissenbezüge gestopft und bei der Schwedischen Botschaft zur Sicherheitsverwahrung abgegeben. Sie wurden, als die Botschaft Russland verließ, nach Stockholm mitgenommen und verstaubten dort in den Archiven des Außenministeriums. In zwei Zigarettenetuis waren noch Zigaretten der Petersburger Marke Bogdanow.

"Hier konnten Käufer Objekte direkt von der Großfürstin kaufen, ohne Zwischenstation", erklärt Heinrich Graf von Spreti, der Finder des Schatzes, den Reiz dieser Provenienz. Nicht ganz neu ist, dass Fabergé-Objekte mit Romanow-Monogramm Kultstatus haben. Carl Peter Fabergé war bis zur Revolution Hofjuwelier beim Zaren. Weltbrühmt sind seine emaillierten, phantasievollen Ostereier, die seine Werkstatt von 1885 jährlich fertigte. In der Londoner Romanow-Auktion erzielte ein Fabergé-Zigarettenetui in vierfarbigem Gold den Rekordpreis von 612.450 Pfund. Es feiert die Silberhochzeit von Großfürst Wladimir und Maria Pawlowna. Ein Etui von Fabergés Werkstattleiter, dem Goldschmieds Michael Perchin, mit dem in Juwelen gesetzten Monogramm von Zar Nikolaus II. und grünem Email kostete 601.250 Pfund. Den gleiche Preis erzielte ein wunderbares Art Nouveau-Etui in dreifarbigem Gold, das auf nur 35.000 Pfund taxiert war.

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