Russische Kunst
Die Sammler sind vorsichtiger geworden

Die jüngsten Londoner Auktionen für russische Kunst haben Rekordergebnisse für einzelne Künstler gebracht. Insgesamt gingenaer die Umsätze zurück. Der Qualitätswettbewerb verschärft sich. Prozesse um Fälschungen haben dem Markt einen Dämpfer versetzt.
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LondonEin farbenfrohes, lebensbejahendes Gemälde, das der querschnittsgelähmte russische Maler Boris Michailowitsch Kustodijew vier Jahre vor seinem Tod malte, versetzte den Auktionssaal bei Christie’s in Weihnachtsstimmung. Als Star der Herbstauktionen russischer Kunst in London wurde das auf 1,5 bis 2 Millionen Pfund geschätzte Gemälde „The Coachman“ am 26. November auf 4,4 Millionen Pfund (5,4 Millionen Euro) gesteigert. Käufer war ein „europäischer“ Telefonbieter – eine Bezeichnung, unter die auch Käufer aus Russland und den benachbarten GUS Staaten fallen (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten).  „Es war genau, was die Sammler wollen, die besten Werke der besten russischen Künstler, seit Jahrzehnten nicht gesehen“, freute sich Christie’s Expertin Sarah Mansfield nach der Auktion.

Das Bild Kustodijews zeigt „Väterchen Russland“, einen Kutscher mit vor Kälte rotem Gesicht, der mit seiner einladenden Bewegung auf seine Schlittenkutsche im Schnee zeigt. Kurz nach seiner Entstehung 1924 wurde das Bild für das Poster der „Russian Art Exhibition“ in New York verwendet, es blieb im Besitz von Kustodijews Tochter und wurde 1936 den Physiker und späteren Nobelpreisträger Pjotr Kapiza verkauft, aus dessen Nachlass es nun marktfrisch in die Auktion kam. Der Zuschlag hob Christie’s Ergebnis für Kunst und Kunsthandwerk auf 15 Millionen Pfund.

Prozesse belasten den Markt

Das war also ein anderer Kustodijew als die „Odaliske“, für die der russische Oligarch Viktor Vekselberg in diesem Sommer vor einem englischen Gericht 1,7 Millionen Pfund Schadenersatz plus 1,4 Millionen Pfund Gerichtskosten zugesprochen bekam, weil sie eine Fälschung war. Er hatte das im Dezember 2005 auf 180.000 bis 220.000 Pfund taxierte Werk damals über seinen Aurora Kunstfonds für 1,7 Millionen Pfund ersteigert.

Solche Prozesse haben dem Markt für russische Kunst in den letzten Jahren einen Dämpfer versetzt und die Sammler vorsichtiger gemacht. Das spürte man nun trotz einer Serie von Rekordpreisen für weniger bekannte Maler. Die Gesamteinnahme der vier an den Russland-Auktionen beteiligten Häuser betrug 36 Millionen Pfund – im letzten Jahr waren es 53 Millionen Pfund, dem Jahr zuvor 39 Millionen Pfund. Dabei lag die Gesamtschätzung der Auktionsserie bei 68 Millionen Pfund. Die Sammler sind preisbewusster geworden und achten mehr auf Qualität.

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Sotheby's schlankes Prestige-Angebot

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