Russische Kunst
Fünf Lose auf einen Streich

Trotz oder wegen der Ukrainekrise? Russische Kunst läuft auf den Londoner Auktionen auf Hochtouren. Alle Stile und Disziplinen finden Abnehmer. Top-Los der Woche wird eine kleine Fabergé-Figur bei Bonhams.
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LondonDie Sorge der Londoner Auktionshäuser, die Ukraine-Krise und Sanktionen gegen Putin-Vertraute könnten den Markt für Russische Kunst dämpfen, waren unbegründet. Im Gegenteil: Die Gesamteinnahme der vier Auktionshäuser lag in toto bei 64,3 Millionen Pfund, das beste Ergebnis einer Londoner Russlandwoche seit Jahren. Die Rückgangsquoten waren moderat. Christie’s schaffte mit 24 Millionen Pfund für seine Doppelauktion das höchste Ergebnis der Woche und verkaufte nach Wert 95 Prozent. Attraktiv waren hier Sammlungen aus russischem Privatbesitz, namentlich die Sammlung von Prinz Iwan Obolenski, in der es einige sensationelle Ausreißerpreise gab. „Das Bieten der internationalen Kundschaft war frenetisch, immer wieder wurden Gebote weit über dem gegenwärtigen Bietschritt ausgerufen“, freute sich Spezialistin Evelyn Heathcoat Amory.

William McDougall, Chef des gleichnamigen, ganz auf Russenkunst spezialisierten Auktionshauses, sah überhaupt keinen Grund, warum die Ukrainekrise die Kauflust der Russen dämpfen sollte. „Trotz der politischen Probleme gibt es immer noch Russen mit Geld und sie müssen es irgendwo investieren“. MacDougall verkaufte Kunst für 10,3 Millionen Pfund.

Marktfrische Aristokratenporträts

16 Gemälde für über 1 Million Pfund wurden versteigert, jeweils zwei bei Bonhams und McDougalls, jeweils sechs bei Christie’s und Sotheby’s. Das zeigt das starke Niveau des Marktes. Am meisten Furore machte eine Gruppe von Aristokratenporträts aus der Obolenski Sammlung, gemalt von Wladimir Borowikowski (1757-1825), dem Porträtisten der russischen Aristokratie der Goethezeit. Sie sind marktfrisch, mit edelster Provenienz aus dem russischen Hochadel und wurden mit den geringsten Taxen eingeliefert.

Die fünf Trophäen wurden ohne Rücksicht auf die Kosten von ein und demselben Telefonkäufer ersteigert, den Christie’s vage als „internationalen Privatsammler“ bezeichnete. Für das auf nur 50.000 bis 70.000 Pfund geschätzte biedermeierliche Familienbild der Gräfin Ljubow mit Kindern musste er fast 3 Millionen Pfund (3,7 Millionen Euro) bezahlen. Das Porträt des Prinzen Lopuchin kostete 2,1 Millionen Pfund (40.000 bis 60.000 Pfund), seine Frau 602.500 Pfund, ein großes Porträt des Admiral Kuschelew mit Kindern 1,5 Millionen Pfund.

Mystisches Wolkenbild

Toplos wurde Wassili Wereschtschagins (1842-1904) Innenansicht der  Perlenmoschee von Agra für 3,7 Millionen Pfund (4,5 Millionen Euro), bei geschätzten 1 bis 1,5 Millionen. Es handelt sich um ein orientalistisches Gemälde, wie es heute von einer wachsenden und breiten internationalen Sammlerkundschaft nachgefragt wird; nicht nur Russen dürften auf dieses Bild geboten haben. Der mystische Nicholas Roerich bleibt teuer und begehrt – sein Wolkenbild „Die himmlische Schlacht“ von 1909 verdreifachte die Schätzung  mit 1,5 Millionen Pfund. Bonhams versteigerte sein blautoniges „Signalfeuer des Friedens“ als Spitzenlose für 1,4 Millionen Pfund. 

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Fünf Lose auf einen Streich

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Avantgarde bei Sotheby's

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