Russische Kunst: Jonglieren mit Schwierigkeiten

Russische Kunst
Jonglieren mit Schwierigkeiten

Junge Kunst aus Russland ist im Westen selten zu sehen. Der Grund sind unberechenbare Zoll- und Transportgebühren. Deshalb ist die Übersichtsausstellung in der HilgerBrotKunsthalle in Wien etwas Besonderes. Dahinter stehen die Wiener Galeristen Johannes Knoll und Ernst Hilger.
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Wien„60 Kilometer östlich von Wien gibt es ja auch Kunst.“ Mit dieser Erkenntnis begann vor über 25 Jahren die unaufhaltsame Entwicklung des Wiener Galeristen Johannes Knoll zum Kenner und Liebhaber der Kunst jenseits des Eisernen Vorhangs. Doch der Acker, den Knoll ruhig und zäh bis heute bestellt, ist immer noch steinig. Kaum jemand verspürt große Lust, ihm zu folgen. Museen und Kunstvereine winken dankend ab.

Das gilt insbesondere für Vorhaben im noch wilderen Russland; zu groß und zu frustrierend sind die Hindernisse, die sich dem grenzüberschreitenden Personen- und Warenverkehr in den Weg legen. Noch vor kurzer Zeit nahm Knoll, der seit 1989 eine Zweigstelle in Budapest unterhält, deshalb von seinem Vorhaben Abstand, in Moskau eine Dependance zu eröffnen. Den Mietvertrag wollte er am Ende nicht mehr unterschreiben, weil sich die Forderungen des Vermieters immer höher geschraubt hatten.

Da sich so furchtbar viel an diesen Verhältnissen nicht geändert hat, ist das, was die Galerie Hilger Modern Contemporary in Kooperation mit Hans Knoll in Wien bietet, schon etwas Besonderes. Zu ihrer Gruppenausstellung „Russian Renaissance – Junge Kunst aus Russland“ haben sie 20 Künstler eingeladen. Schauplatz ist die HilgerBrotKunsthalle im zehnten Bezirk Wiens, eine geräumige Etage mitten in einem alten Fabrikkomplex, in dem tatsächlich noch irgendwo gebacken wird.

Mehr als 60 Fotoarbeiten, Installationen, Videos und Skulpturen haben auf wundersame Weise – unberechenbaren Transport- und Zollgebühren zum Trotz – ihren Weg nach Wien gefunden. Darunter auch die fast schon zu einer Ikone gewordene Fotoarbeit der voll verschleierten amerikanischen Freiheitsstatue der Künstlergruppe AES+F. 19.000 Euro sind für diese raumhohe digitale Collage angesetzt, die 1996 in limitierter Auflage von sieben Exemplaren entstand.

Die ganz junge Kunst Russlands repräsentiert die Künstlergruppe AES+F nicht mehr. Aber sie zählt zu denen, die auch nach dem Ende der Perestroika Erfolg hatten. Sie schafften den Sprung ins Ausland, so wie Oleg Kulik, Jahrgang 1961, oder die Künstlergruppe Blue Noses, die aus dem tiefsten Sibirien stammt.

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Knalleffekt mit Hintersinn

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