„Sag’ mal, was machst du eigentlich den ganzen Tag?“
Der Quotenmacher

Jürgen Meier-Beer, der offizielle Grand-Prix-Beauftragte des deutschen Fernsehens, klatscht ausschließlich strategisch.

Grand-Prix-Beauftragter zu sein – das ist so ähnlich wie Hausmann aus Berufung: Man muss die Kinder zur Schule bringen, einkaufen, putzen, kochen, wischen, fünf Bälle gleichzeitig in der Luft halten. Und wenn einer herunterfällt, lästert die abends heimkehrende Karrieregattin ohne den Hauch von Anerkennung: „Sag’ mal, was machst du eigentlich den ganzen Tag?“

Jürgen Meier-Beer ist seit 1993 Unterhaltungschef beim NDR, seit 1996 offizieller Grand-Prix-Beauftragter des deutschen Fernsehens. Wer sich seinen Job vorstellt als Mischung aus einerseits Leidensfähigkeit – etwa um nationale Teilnehmer wie Corinna May zu ertragen – und andererseits Phlegma – um nicht in die Auslegeware zu beißen, wenn sich Ralph Siegel wiederwiederwieder in den Wettbewerb einbringen möchte – der irrt. Jürgen Meier-Beer ist Jurist, Stratege und, wenn es keine Quoten bringt, kein bisschen Nostalgiker.

Seit er auch im internationalen Aufsichtsgremium des Grand Prix sitzt, hat er einiges geändert: Früher mussten alle Künstler Deutsch singen. Vorbei. Deutschsprachiges Liedgut hat im Aus- und Inland kein besonders „konsumiges“ Image.

Wichtiger als bestimmende, ewig kungelnde Komponistenverbände waren Meier-Beer marktorientierte Plattenfirmen, die zum Grand Prix erfolgreiche, international akzeptierte Künstler schicken. Diese Überlegung wurde zwar in der Vergangenheit mit Bernhard Brink, Ireen Sheer oder Michelle nur suboptimal umgesetzt, doch das heißt nicht, dass dies auch für die Zukunft gilt.

Normalerweise kontrolliert das Aufsichtsgremium die Produktion, die Kosten und die Markenbildung des Grand Prix. Man könnte also den Job von Meier-Beer auch mit wesentlich weniger Aufwand bewerkstelligen, aber strategisch gedacht wäre das nicht.

Die Konkurrenz ist seit dem Format „Deutschland sucht den Superstar“ ständig gewachsen. Inzwischen gibt es die „Comeback-Show“ auf Pro Sieben, „Die deutsche Stimme“ im ZDF, „Star Search“ bei Sat 1 – und eigentlich ist es ein Wunder, dass die Nachrichtensprecher noch nicht von Dieter Bohlen ausgesucht werden.

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