Sammelband zur Finanzkrise
Auf der Suche nach einem Mittel gegen das „perfekte Desaster“

Was ist der Grund für die Finanzkrise? Das Auseinanderklaffen von „Entscheid und Haftung“, glaubt der emeritierte VWL-Professor Joachim Starbatty. Seine Einsicht ist der zentrale Punkt eines Sammelbandes, den der Schweizer Privatbankier Karl Reichmuth herausgegeben hat – und der einen „Weg aus der Finanzkrise“ weisen will.

BERLIN. Glaubt man den Nachrichten, beschert die Finanzkrise so manchem eine eine nachhaltige Konjunktur – für Fall- und Risikoschirme sowie für das Geschäft mit Rettungs-, Hilfs- oder Gesetzespaketen. Doch ob diese Mittel einen Weg aus der Finanzkrise ebnen, bleibt offen, es ist sogar zu bezweifeln, wenn man genauer hinhört. Denn die Rede ist wieder nur von neuen Regeln und Vorschriften oder von noch größeren Kontrollgremien, die eine Wiederholung des gegenwärtigen Szenarios verhindern sollen.

Doch gerade die in Mitleidenschaft gezogenen Großbanken demonstrieren, wie „perfekte Prozesse zum perfekten Desaster“ führten. Der Grund dafür ist das Auseinanderklaffen von „Entscheid und Haftung“, wie es Joachim Starbatty konstatiert. Keiner der Kundenberater und Portfoliomanager, die mit den windigen Zertifikaten handelten, mußte die unbeschränkte Haftung tragen, Verantwortung hatte kein Gesicht, sie wurde von dem einem zum nächsten weitergereicht.

Starbattys Einsicht des ist der zentrale Punkt eines Sammelbandes, den der Schweizer Privatbankier Karl Reichmuth herausgegeben hat, und der einen „Weg aus der Finanzkrise“ weisen will. Der Band basiert auf einem wirtschaftspolitische Symposium in Zermatt. Unabdingbar hierfür ist, so das Plädoyer der Autoren, dass Entscheid und Haftung bei den handelnden Akteuren wieder zusammengeführt werden.

Die staatlicherseits verfügten Maßnahmen, die wegen der größten Finanzkrise seit 1929 jetzt beschlossen wurden, werden im ungünstigen Fall zu einer enormen Zunahme der öffentlichen Schuldenlast führen. Umso drängender also bleibt die Frage, wie ihr zu begegnen ist. In einem historischen Exkurs zeigt Starbatty, emeritierter VWL-Professor und Vorsitzenden der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft, dass die staatliche Schuldenaufnahme kein Phänomen moderner Massendemokratien ist. Erfahrungsgemäß diene sie meist konsumtiven Zwecken – und stehe damit im Widerspruch sowohl zu Adam Smith wie zu Karl Marx. Unter anderem fordert der einstige Euro-Kläger Starbatty, über die Kosten des Sozialstaats aufzuklären.

Als klassisches Beispiel nennt er den römischen Kaiser Marc Aurel, der die Forderungen seiner Legionäre nach höherem Sold mit der Begründung ablehnte, er müßte sich dieses Geld über höhere Steuern bei ihren Vätern holen. Die Legionäre hatten daraufhin ein Einsehen.

Wie Staatsschulden abgebaut und verhindert werden, zeigt Uwe Wagschal (Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg) in seinem Beitrag. Der Publizist Beat Kappeler legt zwingend dar, warum die Kapitalgewinnsteuer abzuschaffen sei. Herausgeber Karl Reichmuth schließlich kritisiert das als „Basel II“ bekannte, vermeintlich strenge System der Kreditvergabe. Denn schon der römische Staatsmann Cicero wußte: „Nicht jene, die ein Gesetz mißachten, sind gefährlich, sondern jene, die die Gesetze ausnützen.“ Denen aber, die Gesetze machen, sollte das Buch zur Pflichtlektüre erklärt werden.

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