Sammlerstücke
Das Rätsel der letzten Zareneier von Fabergé

Von Fabergés und Fauxbergés: Die Ostereier des Zaren sind ein Inbegriff von Extravaganz und Dekadenz - und heute wieder ein Politikum. Einer der Spieler auf der Jagd nach den Fabergé-Eiern der Zaren: Eine private Organisation namens Russisches Nationalmuseum. Sie will russische Kulturschätze nach Russland zurückbringen.

DÜSSELDORF. Am Ostermorgen spielte sich im Zarenpalast in Tsarskoe Selo bei Sankt Petersburg ein einmaliges Schauspiel ab: 1600 Bedienstete standen vor dem Zaren Schlange, der allen die Wangen küsste und jedem ein Osterei überreichen ließ: Die höheren Ränge erhielten eines aus Edelsteinen und Emaille, die niedrigeren Chargen ein einfaches aus Porzellan. Natürlich bekam das schönste Ei die Zarin, Maria Fjodorovna. Das Ei, das Alexander III. ihr 1885 schenkte, ähnelte äußerlich einem übergroßen, aber harmlosen Hühnerei.

Doch die Sensation verbarg sich im Innern: Hinter einer Dotter-Schicht aus Gold kam eine goldene Henne zum Vorschein, die auf einem Nest aus goldenem Stroh saß. In der Henne wiederum steckte eine Zarenkrone aus Diamant mit zwei Rubin-Anhängern. Man kann sich vorstellen, wie das Herz der Zarin beim Öffnen immer höher schlug. Das "Hennen-Ei", heute in der Sammlung des russischen Milliardärs Viktor Vekselberg, war das erste, das Carl Peter Fabergé für den russischen Zaren kreierte. 50 weitere Prunk-Ostereier für den Zarenfamilie sollten bis 1917 folgen. Das Fabergé-Ei wurde zum Inbegriff höfischer Extravaganz. Es ist das Objekt der Begierde der Superreichen. Und für Russland ist es gerade heute wieder ein Politikum.

Wer war dieser Carl Fabergé, der zeitweise das größte Luxusunternehmen der Welt führte? Er stammte von französischen Hugenotten ab, die im 17. Jahrhundert aus Frankreich geflohen waren. Faberges Vorfahren verschlug es nicht nach Preußen, wie viele andere, sondern nach Estland und schließlich nach Sankt Petersburg. Sein Vater hatte bei dem Juwelier gelernt, der die Zarenkrone schuf, und eröffnete 1841 in Sankt Petersburg ein eigenes Goldschmiede-Atelier. Carl studierte an der Handelsschule in Dresden, machte sich in Paris mit seinen künftigen Konkurrenten Cartier und Boucheron vertraut und restaurierte in der Petersburger Eremitage - schon damals ein öffentliches Museum - Schmuck aus der Antike. Dort fand er die Inspiration, die seine Arbeit prägte.

Die russischen Frauen liebten schon damals den Luxus. "Ein Stein muss perfekt sein, um ihr kritisches Auge zufrieden zu stellen", schrieb ein englischer Beobachter. Aber Fabergé wollte mehr als nur teuren Schmuck kreieren. Er wollte innovativ sein. Sein erstes Accessoire für den Zaren waren Manschettenknöpfe mit Zikaden-Motiv - einem antiken Glückssymbol. Der Zar war angetan von ihm und orderte für 4 000 Rubel (heute etwa 40 000 Dollar) bei ihm das "Hennen-Ei" - bei einem Jahresbudget des Zaren von 9 Millionen Rubel (heute 94 Millionen Dollar) eine überschaubare Summe.

Ein Markenzeichen der Fabergé-Eier wurde neben der Kostbarkeit der Materialien und der technischen Perfektion die Überraschungen im Innern. 1890 schenkte der Zarewitsch Nikolaus II seiner Mutter, einer gebürtigen Dänin, das "Dänische Palast-Ei" (1890). Es enthielt zehn Miniaturgemälde dänischer und russischer Königsschlösser. Ein Jahr später erinnerte das Azova-Ei - ein Geschenk Alexanders III an seine Frau - an die mehrmonatige Asienreise des Zarewitschs auf dem Kreuzer Pamiat Azova.

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