Sammlung Davie Bowie
In die ganze Welt verstreut

Zwölf Stunden brauchte Sotheby’s. Dann war die sehr persönliche Sammlung des Sängers David Bowie komplett verkauft, zum Teil mit Ergebnissen weit oberhalb der Schätzungen.
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LondonIm Fachjargon bezeichnet man Auktionen mit 100 Prozent verkauften Losen einen „white glove“, einen weißen Handschuh. Solche gibt es nur ganz selten. Vor allem, wenn wie bei der Versteigerung der Privatsammlung von David Bowie 356 Lose aus ganz unterschiedlichen Sammlungsgattungen zum Aufruf kommen: deutscher Expressionismus, moderne britische Kunst, Art Brut, Surrealismus, zeitgenössische afrikanische Kunst, Memphis Design und dazu einige Gemälde von Basquiat und Damien Hirst.

Insgesamt spielte Sotheby's mit der Sammlung der Pop-Ikone 32,9 Millionen Pfund ein; die Abendauktion kam alleine auf 24,3 Millionen. Mit über zwölf Stunden Auktionsdauer war dies ein wahrer Marathon. Kein Wunder, denn durchschnittlich sechs Bieter, viele davon online, brachten Ergebnisse, die teils über dem Zehnfachen der Schätzungen lagen. Eine Auflistung der 59 Auktionsrekorde für die teils recht unbekannten Künstler und Designer der sehr persönlichen, eklektischen Sammlung erspart man sich jedoch besser. Denn diese Auktion war einmalig.

Zu den Höhepunkten zählten die Brücke-Graphiken von Erich Heckel, die in der Tagesauktion zum Aufruf kamen. Sie sollen in Zusammenhang mit Bowies Aufenthalt in Berlin in den 1970er-Jahren stehen, obwohl laut Auskunft von Sotheby’s nicht bekannt ist, wann und wo er diese erwarb. Alle zwölf Werke verkauften sich weit über den recht niedrigen Schätzungen, der farbige Holzschnitt „Männerbildnis“ von 1919 (30.000 bis 50.000 Pfund)brachte es gar auf 257.000 Pfund.

Bowies 130 Arbeiten britischer Kunst, die er vor allem in den 1990er-Jahren in Auktionen ersteigerte, machte den Großteil des Angebots aus. Einer der hier erzielten 34 Auktionsrekorde ging an Frank Auerbach. Zwei Telefonbieter trieben den Preis für dessen Porträt von Gerda Böhm auf 3.8 Millionen Pfund. Die Schätzung belief sich auf 300.000 bis 500.000 Pfund. Das kleinformatige Gemälde, von dem Bowie sagte „ich möchte klingen, wie das aussieht“, war wohl eine der wenigen Arbeiten in der Auktion, mit denen Bowie lebte.

Der in Berlin geborene Auerbach, ein Cousin des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki, kam mit acht Jahren mit einem Kindertransport nach England. In dem Porträt verewigte er Reich-Ranickis Schwester. Das teuerste Lost des Abends sicherte sich ein europäischer Privatsammler. Jean-Michael Basquiats rebellisches „Air Power“ von 1984  war ihm 7,1 Millionen Pfund Wert (Schätzung 2.5 bis 3.5 Millionen Pfund).

Nun ist die Sammlung in die ganze Welt verstreut, Sotheby’s hat die Musik ausgemacht und im Auktionswesen geht es wieder zum Tagesgeschehen über. Der schwarze Star, wie Bowie sich im letzten Album bezeichnete, ist endgültig von der Bühne getreten.

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