Sammlung Dietmar Siegert
"Günstiger als ein schlechter Picasso"

Seit den frühen 1970er-Jahren baut Dietmar Siegert an seiner Sammlung zur Fotografie des 19. Jahrhunderts. Aus dem umfangreichsten Deutschland-Teil zeigt das Stadtmuseum München jetzt 350 Aufnahmen. Ausstellung und begleitende Publikum verraten großen Ehrgeiz. Dahinter steht der Wunsch, die Sammlung für das Museum anzukaufen
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Eine thematische Ausstellung über die Bildleistungen aus der Pionierzeit der Fotografie war in Deutschland zuletzt im Jahr 1989 in Köln zu sehen. Das erstaunt umso mehr angesichts der Beachtung, die das Medium seit der Zeit in Museen, Galerien und auf dem Auktionsmarkt genießt. Doch bei Lichte betrachtet hat von diesem Interesse lediglich die Schwarzweiß-Fotografie des 20. Jahrhunderts und die zeitgenössische Fotokunst profitiert. Sujets aus dem 19. Jahrhundert werden viel seltener gezeigt und finden auch im Handel nur wenig Verfechter.

Jetzt hat das Stadtmuseum München eine beachtliche Ausstellung zusammengestellt, die einiges über die Geschichte und den Zustand dieses Landes vor Ende des 19. Jahrhunderts aussagt. Quelle ist die auf das 19. Jahrhundert spezialisierte Privatsammlung von Dietmar Siegert. Mit der Suche nach Originalfotografien, die er als Vorlagen für den Bau von Filmsets suchte, begann Siegerts Leidenschaft in den frühen 1970er-Jahren. Inzwischen umfasst allein der Deutschland-Teil seiner Kollektion rund 8.000 Aufnahmen. Daraus haben Siegert und Ulrich Pohlmann, Leiter der Sammlung Fotografie im Stadtmuseum, 350 Aufnahmen aus der Zeit zwischen 1840 und 1890 ausgewählt.

Unbekannte Naturstudien

Die Ausstellung wird von einem instruktiven Buch aus dem Schirmer/Mosel Verlag begleitet, das in schöner Qualität den größten Teil der Exponate reproduziert. Auch in die wissenschaftliche Erschließung investierte das Stadtmuseum. 13 Fachautoren wurden gebeten, spezielle Funktionszusammenhänge oder Themenkomplexe aufzuarbeiten. Sie betraten vielfach wissenschaftliches Neuland. Milan Chlumsky zum Beispiel beschäftigte sich mit dem Verwendungszweck der noch völlig unbekannten Naturstudien von Georg Maria Eckert. Esther Ruelfs untersuchte das erstaunliche Foto-Projekt“ Georg Koppmanns, das interessante Rückschlüsse auf die Architektur und Soziologie eines Hamburger Stadtviertels zulässt.

Zahlreichen Bildern konnte man im Übrigen in der Vergangenheit auf dem Kunstmarkt begegnen. Beispielsweise der furiosen Daguerreotypie des bewaffneten Revolutionärs und Literaten Harro Harring aus dem Jahr 1848. Sie stammt von Carl Ferdinand Stelzner, einem der ersten Berufsfotografen Deutschlands. Siegert ersteigerte das seltene Unikat im Herbst 2009 bei Bassenge für recht günstige 19.000 Euro.

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