Sammlung Essl
Auktionsumsatz unter den Erwartungen

Noch nie wurde in London eine Offerte, die aus einer einzigen Sammlung stammt, so hoch bewertet. Doch die Hoffnung auf ein Feuerwerk der Preise ging nicht auf. Die zur Refinanzierung der Rettung Sammlung Essl versteigerten Kunstwerke spielten nur in etwa die von Christie’s garantierte Summe ein.
  • 0

LondonDas Interesse sei rege, mehr war Christie’s im Vorfeld der am 13. Oktober 2014 anberaumten Auktion von 44 Kunstwerken aus der Sammlung Essl nicht zu entlocken. Im Zuge der zweiwöchigen Präsentation im Showroom in Mayfair habe man „lots of traffic“ verzeichnet, genauer knapp 1.000 Besucher. Zwischendurch hatten sieben Werke, u.a. von Baselitz, Richter, Kippenberger und Polke in Köln ein Gastspiel gegeben; ein gängiges Vermarktungsprogramm, das im Kreis potenzieller Klientel Aufmerksamkeit und auch Kaufgelüste generieren soll.

Im Falle von Karlheinz Essl, der sich zur Refinanzierung der Rettung seiner 7.000 Werke umfassenden Kollektion von 44 internationalen Arbeiten trennen musste, ging es um den am Marktplatz London bislang mit dem höchsten Schätzwert ausgestatteten „Single Owner Sale“. Bis zu 60 Millionen Pfund (75 Millionen Euro) hatte Christie’s für die als „Essl: 44 Works“ vermarktete Versteigerung in Aussicht gestellt, netto und exklusive Aufgeld. Dazu hatte man der SE-Sammlungs GmbH und seinen Eignern Hans Peter Haselsteiner (60 Prozent) und Karlheinz Essl (40 Prozent) unabhängig vom Verlauf der Auktion eine Garantie gewährt, die bei etwa 50 Millionen Euro liegen soll.

Getrogene Hoffnung auf Sensationen

Als Jussi Pylkkänen (Christie’s-Präsident und Chairman Europa, EMRI) kurz nach sieben Uhr abends Ortszeit Richtung Auktionspult schritt, hatten nicht wenige der Anwesenden, auf die eine oder andere Sensation gehofft. Auch Karlheinz Essl, der seinen ehemaligen Schützlingen so etwas wie die letzte Ehre erwies. Ein Feuerwerk neuer Künstlerrekorde blieb aus, 41 Prozent der Positionen wurden im Bereich der angesetzten Taxen oder auch darunter zugeschlagen. Der Rest schaffte es teils deutlich, teils wiederum nur brutto (inkl. Aufgeld) über die obere Taxe. Ein zum Auftakt der Frieze-Woche erhofftes Feuerwerk an Künstlerrekorden blieb aus; am Ende verzeichnete man nur deren zwei.

Den ersten Rekordpreis, allerdings nur in der Kategorie Skulptur des Künstlers, notierte man für Georg Baselitz‘ „Meine neue Mütze“, ein überlebensgroßes Selbstporträt aus dem Jahr 2003, für das 1,5 bis 2 Millionen Pfund (1,9 bis 2,5 Millionen Euro) erwartet worden waren. Mit einer Höhe von mehr als drei Metern war der Kreis der potenziellen Käufer beschränkt. Galerist ThaddaeusRopac (Salzburg/Paris) war, wie in einige weitere Male an diesem Abend, die Rolle des Unterbieters vorbehalten. Für 1,42 Millionen Pfund (1,8 Millionen Euro) fischte sich Amy Cappellazzo, bis Februar dieses Jahres Leiterin des Christie’s-Post War & Contemporary Departments, die monumentale Skulptur aus dem Angebot.

Seite 1:

Auktionsumsatz unter den Erwartungen

Seite 2:

Gursky wegen Kratzern zurückgezogen

Kommentare zu " Sammlung Essl: Auktionsumsatz unter den Erwartungen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%