Sammlung Marcilhac: Trophäen des Art Déco

Sammlung Marcilhac
Trophäen des Art Déco

In dem ausgedünnten Marktsegment für Art Déco normalisieren sich die Preise. Das hat Sotheby's Versteigerung der umfangreichen Sammlung Marcilhac in Paris gezeigt. Überzogene Zuschläge gehören der Vergangenheit an.
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ParisEine imposante Art-Déco-Sammlung trug Félix Marcilhac im Laufe seines fünfzigjährigen Berufslebens zusammen. Er war Händler, verfasste ein Dutzend Werkverzeichnisse und arbeitete als Experte des Auktionshauses Hôtel Drouot. Diese exquisite Privatsammlung ist nun am 11./12. März 2014 bei Sotheby’s (gemeinsam mit Artcurial-Briest-Poulain-F.Tajan) in Paris, unter den Hammer gekommen.

Die Art Déco-Welt sei sehr zufrieden mit dem Ergebnis der Versteigerung, betont die weltweit führende Händlerin dieser Spezialität, Cheska Vallois. Die auf drei Sitzungen verteilte Auktion mit 316 katalogisierten (und 298 verkauften) Objekten brachte 24,7 Millionen Euro ein. Ein auf den ersten Blick stattliches Ergebnis, das Sotheby’s stolz als sein historisch bestes auf dem Sektor des Art Déco bezeichnet. Das Resultat verdreifachte also die untere Taxe der sehr vorsichtigen Gesamtschätzung von 8 bis 12 Millionen Euro.

Berichtigend muss man allerdings entgegnen, dass Christie’s Paris, federführend auf dem Art Déco-Segment, bereits 2006 innerhalb von zwei Stunden 50,7 Millionen Euro für 256 zugeschlagene Art Déco-Objekte von Claude und Simone Dray erzielte (deren Sammlung insgesamt 59,7 Millionen Euro einfuhr). Oder dass ein Fauteuil von Eileen Gray aus dem Besitz von Yves Saint Laurent-Pierre Bergé (bei Christie’s) mit 21,9 Millionen Euro den Art Déco-Weltrekord hält, bzw. dass der Art Déco-Teil der YSL/Pierre Bergé „Jahrhundert-Sammlung“ 57,1 Millionen Euro verbuchte. Auch für die hoch taxierte Art Déco-Sammlung von Laurent Negro aus dem Schloss Gourdon nahm Christie’s im Jahr 2011 knapp 42 Millionen Euro ein.

Überzogene Auktionspreise in der Vergangenheit

Die Marcilhac-Auktion zeigt, dass die überzogenen Auktionspreise, die einige Händler und Zwischenhändler (angeblich für Käufer aus dem Nahen Osten) in den letzten Jahren hochpuschten, jetzt nicht mehr an der Tagesordnung sind. Denn nur das Spitzenstück der Marcilhac-Sammlung war ein preislicher Ausreißer: ein anonymer Telefonbieter ließ die Händlerin Cheska Vallois bei zwei Millionen Euro hinter sich und bezahlte schließlich 3,7 Millionen Euro brutto für den streng geometrischen, schmalen Kabinettschrank aus der Privatwohnung von Jean-Michel Frank. Das 1935 gefertigte Einzelmöbelstück mit seiner Bronzestruktur ist belegt mit durchscheinenden, kristallinen Gipsspat-Platten, die wie Quartz schimmern und stand in J.-M. Franks Rauchsalon. Anlässlich der Vorbesichtigung bei Sotheby’s, die Stardekorateur Peter Marino optisch perfekt ausrichtete, war es das erste Möbel, das die Besucher entdeckten. Seine Taxe betrug 400 000 – 600 000 Euro, also ein Neuntel des Endpreises der 3,7 Millionen Euro, die einen Weltrekord für Jean-Michel Frank bedeuten. Sämtliche andere Zuschläge blieben bei maximal 811 000 Euro, was eine räsonable Preis-Ausrichtung dieses zusehends ausgedünnten Marktsegments signalisiert.

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