Sammlung Rau
Unicef entschied nur nach der Schätzwertsumme

Unicef lässt erste Teile der Sammlung Gustav Rau in den Auktionshäusern Lempertz, Bonhams und Sotheby’s versteigern. Bei der Vergabe spielten im Konkurrenzkampf wohlmeinend hoch angesetzte Schätzwerte die Hauptrolle.
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WienUnicef, die Erbin der umfangreichen Kunstsammlung des 2002 verstorbenen Arztes Gustav Rau, lässt 2013 ein Konvolut von 533 Werken versteigern. Wie im Handelsblatt (8.2.2013) gemeldet, handelt es sich dabei um Lempertz (Köln), Bonhams (London) und Sotheby’s (New York). Über ein anonymisiertes Verfahren hatten sich ursprünglich etwa auch Christie’s (London), Koller (Zürich) und das Dorotheum (Wien) beworben, waren jedoch in der ersten Runde ausgeschieden. Dem Vernehmen nach sollen sich Unicefs monetäre Erwartungen insgesamt auf etwa 50 Millionen Euro belaufen. Mit 298 Kunstwerken wird Lempertz das an Umfang größte Konvolut zugestanden, gefolgt von Sotheby’s (141) und Bonhams (94).

Maximaler Erlös für Kinderheime

Für die Wahl der Versteigerer spielten die von den Auktionshäusern kalkulierten Schätzpreise eine essentielle Rolle, wie Unicef-Sprecherin Helga Kuhn auf Anfrage bestätigte. Schließlich soll, entsprechend dem Wunsch des Philanthropen, der optimale Erlös für die Kinderhilfsprogramme herausgeschlagen werden, so ihr Nachsatz.

An der Akquisitionsfront sind die Schätzpreissummen Richtwerte für Einlieferer, oftmals das Zünglein an der Waage. Obwohl sie bisweilen wegen der harten Konkurrenz auch an der Realität des Marktes vorbei, zu optimistisch kalkuliert werden. Im Falle der Kollektion des Arztes Gustav Rau weichen die von den Auktionshäusern avisierten Schätzwerte für eines der Toplose in der Größenordnung von sieben zu 15 Millionen Euro erheblich voneinander ab.

Genaue Auktionstermine wurden nur von Sotheby’s bekannt gegeben. Der von Lempertz veröffentlichte Termin am 11. Mai („Sonderauktion Sammlung R.“) ist fraglich. Lempertz-Chef Henrik Hanstein macht das weniger von der Arbeit seiner Experten abhängig, als davon, wie schnell Unicef die Zollfrage klärt und die Exponate gegen Begleichung der Einfuhrumsatzsteuer (7 Prozent) offiziell aus der Schweiz importiert werden.

Wie Sotheby’s heute mitteilt, wird es ab 19. Juni bis September in London jeweils in den Spezialauktionen Werke des Impressionismus, der Alten Meister, des 19. Jahrhunderts versteigern. Kapitale Hauptwerke sind Claude Monets „Die Brücke von Bois“ mit einem Schätzpreis von 4 bis 6 Millionen Pfund sowie El Grecos „Heiliger Dominic im Gebet“ und Giandomenico Tiepolos „Jacobo Porto“, beide jeweils auf 3 bis 5 Millionen Pfund taxiert. Die Einnahmen für alle 141 Werke der Sammlung Rau dürften über 16 Millionen Pfund liegen, schätzt Sotheby’s.

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