Sammlung Schäfer
Feine Qualität zu niedrigen Schätzpreisen

Von deutscher Malerei des 19. Jahrhunderts konnte der süddeutsche Industrielle Georg Schäfer gar nicht genug bekommen. Jetzt versteigert das Münchener Auktionshaus Neumeister 100 Werke, darunter Gemälde von Jakob Philipp Hackert, Anselm Feuerbach und Heinrich Zügel. Es ist die vierte Auktion aus dem Bestand Schäfers binnen 15 Jahren.

MünchenAls 1999 bei Christie´s in Düsseldorf und bei Neumeister in München erstmals Teile der Sammlung Georg Schäfer wieder auf den Markt gelangten, überschlugen sich die Preise. Über 600.000 DM inkl. Aufgeld – umgerechnet etwas mehr als 300.000 Euro – brachte Georg Ferdinand Waldmüllers „Mädchen in Betrachtung eines Madonnenbildnisses“ von 1853. Über 250.000 DM kostete damals schon Carl Blechens „Waldlandschaft“ von 1835.

Am kommenden Donnerstag (29. Oktober 2015) ruft Neumeister wieder Gemälde und Ölskizzen aus der Sammlung des 1975 verstorbenen Mitinhabers der FAG Kugelfischer in Schweinfurt auf. Und selbst wenn es sich bei den 100 Kunstwerken nur in wenigen Fällen um Hauptwerke der jeweiligen Künstler handelt, die Qualität ist fein und das Material in seiner Konzentration reizvoll.

Manischer Sammlungsaufbau

Wer Georg Schäfer sagt, denkt vor allem an die Malerei des 19. Jahrhunderts. Nie gab es in der Nachkriegszeit eine größere Privatsammlung zur Kunst dieser Zeit. Und wie manisch der Industrielle gesammelt hat, zeigt Carl Spitzwegs effektvoll komponiertes Gemälde „Mädchen mit Ziege“ zum Schätzpreis von 30.000 bis 40.000 Euro. Eine andere Version dieses Motivs hängt heute im 2000 eröffneten Museum Georg Schäfer in Schweinfurt, das allein 900 Gemälde und 4000 Aquarelle und Ölskizzen aus seinem Besitz beherbergt.

Morgensterns Wolkenlandschaft

Zum Aufruf kommen brillante Gemälde von Franz von Defregger, von Heinrich von Zügel und Carl Schuch zu vierstelligen und fünfstelligen Taxen. Doch die Attraktivität dieses Angebots basiert auf einigen Werken des Klassizismus und fast unspektakulären Kleinodien an der Grenze zur Moderne. Zwischen Christian Morgensterns Ölskizze „Wolkenlandschaft“ von ca. 1840/50 (Taxe: 800 bis 1.200 Euro) und Franz Ludwig Catels kleiner Studie „Die Bucht von Palermo“ zum Schätzpreis von 8.000 bis 12.000 Euro fällt Jakob Philipp Hackerts 1780 entstandenes Hundeporträt „Bush et Slut“ auf. Das mit dem Sentiment der Goethezeit gemalte Werk soll 20.000 bis 30.000 Euro kosten.

Nur noch selten auf dem Markt sind so repräsentative höfische Porträts wie Andrea Appianis „Auguste Amalie de Beauharnais mit ihren Kindern“ von 1809. Die bayerische Schwiegertochter Napoleons, die vor einer Europakarte sitzt, soll mindesten 35.000 Euro einspielen. Zwischen Salon und Sezession ist hingegen das charmante Porträt der Gattin von Albert von Keller angelegt, das von der Raffinesse des Malers zeugt. Es startet bei 2.000 Euro. Und auch Max Slevogts mit schnellem, breitem Pinsel erfasste Skizze eines Knaben von 1911 gehört zu jenen Werken, die von großer Könnerschaft zeugen, ohne gleich ein Schlüsselwerk zu sein (6.000 bis 8.000 Euro).

Seit 50 Jahren nicht mehr auf dem Markt

Während die zwei Auktionen 1999 der Finanzierung des Museums dienten und Werke aus der 1997 gegründeten Stiftung Schäfer umfassten, handelt es sich diesmal um Werke aus dem Privatbesitzt der Erben. „Für den Markt ist das eine Chance“ kommentiert Katrin Stoll die Offerte. Die Werke waren seit 50, 60 Jahren nicht verfügbar. Bereits 2005 hatte Neumeister mehr als 800 Werke aus dem Familien-Nachlass Schäfer äußerst erfolgreich versteigert. Spitzenzuschlag vor zehn Jahren war Carl Rottmanns Griechenland-Gemälde „Aulis“ mit einem Erlös von mehr als 220.000 Euro.

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Rudolf Neumeister als Berater

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