Sammlung Schiefler
Unbescheidene Erwartungen

Provenienz ist das Gütesiegel der Münchner Expressionisten-Auktion am 19. April. Ketterer bringt die zweite Tranche mit Papierarbeiten aus der Sammlung Schiefler zum Aufruf. Unter den Top-Losen sind rare Arbeiten von Ernst Ludwig Kirchner, Rolf Nesch und Edvard Munch.
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MünchenEin einziges Exemplar des sogenannten ersten Zustandes von Ernst Ludwig Kirchners dekorativem Holzschnitt „Kleines Varieté mit Sängerin“ (1912) ist der Fachwelt bekannt. Und nie zuvor wurde diese handkolorierte Nacht-Szene, die kurz nach Kirchners Umzug in die Metropole Berlin entstand, auf dem Auktionsmarkt angeboten. So viel Exklusivität beeinflusst den Marktwert. Mit einem Schätzpreis von 40.000 bis 60.000 Euro ist das Blatt das teuerste der 93 Graphiken und Zeichnungen aus der legendären Sammlung Gustav Schiefler, die das Auktionshaus Ketterer am 19. April versteigert.

Freundschaft mit den Künstlern

Es ist anzunehmen, dass die Provenienz dieser marktfrischen Offerte mit Arbeiten von Karl Schmitt-Rottluff, Erich Heckel und den nicht ganz so prominenten Malern Paul Gangolf oder Arthur Illies die Kauflust beflügeln wird. Der Hamburger Richter Gustav Schiefler war nicht nur ein enthusiastischer Moderne-Sammler. Kurz nach 1900 machte Schiefler Bekanntschaft mit wichtigen Künstlern wie James Ensor, Edvard Munch und Emil Nolde. Mit großer Kennerschaft verfasste er Graphik-Werkverzeichnisse von Ernst Ludwig Kirchner, Max Liebermann und dem Norweger Edvard Munch. Nach seinem Tod 1935 wurde die Sammlung an verschiedene Erben verteilt. Schon die erste Ketterer-Versteigerung eines Teils dieser Sammlung brachte 2011 bei sehr moderaten Taxen zahlreiche Steigerungen um das Zehnfache.

Unbescheidene Erwartungen

Die Erwartungen sind diesmal nicht so bescheiden. Auf mindestens 30.000 Euro ist Hermann Max Pechsteins „Mann und Weib“ von 1909 geschätzt, eine Farblithographie mit Monotypiecharakter. Bei 25.000 Euro wird Karl Schmidt-Rottluffs kontrastreicher Holzschnitt „Szene“  von 1910 aufgerufen. Teuerste Arbeit unter den sieben Drucken des Hamburger Expressionisten Rolf Nesch ist mit 20.000 bis 30.000 Euro der farbig verhaltene Metall-Druck „Hafenbrücke“ von 1932. Von ihm gibt es nur acht Exemplare. Von den neun Munch-Graphiken sticht der als „Probedruck“ bezeichnete Holzschnitt „Frauen am Strand“ von 1908 hervor. Seine Taxe liegt zwischen 7.000 und 9.000 Euro.

Vorbesichtigung: „Sammlung Schiefler II“ sowie „Moderne Kunst“  und „Kunst nach 1945“ im Preisbereich bis 20.000 Euro vom 14. bis 18. April.

Auktion: „Sammlung Schiefer II“ und „Moderne Kunst bis 20.000 Euro“ am 19 April, „Kunst nach 1945 bis 20.000 Euro“ am 20. April.

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