Sammlung Werner Jägers
Der Handel lernt das Zittern

Bisher stand im Fälschungsskandal um die erfundene „Sammlung Werner Jägers“ vor allem der deutsche Kunstmarkt im Blickpunkt der Berichterstattung. Doch der Fall hat internationale Dimensionen.
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DÜSSELDORF. Die Geschichte war schon unglaublich, als sie vor zwei Monaten publik wurde. Da lässt sich der Kunsthandel mehr als 15 Jahre von einer Betrügerbande an der Nase herumführen, lässt sich mindestens 30 bislang verschollen geglaubte oder sogar unbekannt gebliebene Meisterwerke der Klassischen Moderne unterschieben und die Herkunft aus einer Privatsammlung auf die Nase binden, die ebenso erfunden ist wie die Liste ihrer renommierten Einkaufsquellen, bei denen es sich samt und sonders um altehrwürdige Avantgarde-Galerien handelt.

Unterdessen wird die Zahl der in den Fälschungsskandal "Sammlung Werner Jägers" hineingezogenen Auktionshäuser, Händler und Experten immer größer, der Fall immer undurchschaubarer. Wer wurde Opfer? Wer hat sich mitschuldig gemacht? Wer ist Täter? Die Rollen sind keineswegs klar verteilt.

Wer haftet für den Schaden?

Da die Anklagen noch nicht erhoben wurden, gehen die Kriminalbehörden in Köln und Berlin mit Informationen sehr restriktiv um. "Wir müssen ausermitteln", begründet Pressesprecher Tino Seesko die Zurückhaltung der Staatsanwaltschaft. Unterdessen scharren Händler und Beobachter ungeduldig mit den Füßen. Ein ganzer Markt ist in Unruhe: enttäuschte Käufer, die nicht wahrhaben wollen, viel Geld in den Sand gesetzt zu haben, Verkäufer, die fürchten, ihre Nachforschungspflicht fahrlässig verletzt zu haben, die vielleicht auch ihre Augen verschlossen oder, schlimmer noch, Beweismittel unterschlagen haben, Experten, die mindestens um ihr Ansehen bangen und Kunden, die nicht mehr wissen, was sie von all dem halten sollen. Wer trägt Verantwortung? Wer haftet für den Schaden?

Vertrauens- und Imageverlust ist das größte Problem der Branche. Wie ist es möglich, dass Händler, Versteigerer und Experten den Enkelinnen des vermeintlichen Sammlers Werner Jägers Glauben schenkten, obwohl sie ihnen für die Existenz der großväterlichen Sammlung nur zwei dürftige Belege lieferten? "Zwei offenbar montierte Schwarzweißfotos und die Aussage eines Freundes, dessen Großvater angeblich selber sammelte und mit Jägers befreundet war - das ist verdammt wenig", erklärt der Kölner Kunsthändler Frank M. Berndt, der selber nicht betroffen ist, jedoch mit vielen Künstlern handelt, die nun ins Gerede gekommen sind.

Der Fall überschreitet Grenzen

Bisher stand vor allem deutscher Handel, aber auch Christie's im Fokus der Berichterstattung. (Vgl. HB vom 10. September 2010 und www.handelsblatt.com/finanzen/kunstmarkt). Doch der Fall zieht international noch weitere Kreise und berührt nicht nur Christie's. Bereits bekannt ist, dass Christie's zwei verdächtige Campendonk-Werke und einen "La Horde" betitelten Max Ernst zum Aufruf brachte, der zurück ging, später aber von dem schwäbischen Unternehmer Reinhold Würth erworben wurde. Christie's geht offensiv mit dem Thema um. Es bestätigt nicht nur die fraglichen Werke, die alle mit Authentizitätsbescheinigungen der jeweils anerkannten Experten ausgestattet sind; die Londoner Zentrale klammert auch das brisante Thema der Haftung nicht aus und macht deutlich, dass man in vollem Umfang mit den ermittelnden Behörden zusammenarbeitet.

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  • Normalerweise muss man den Hut ziehen, wenn es Fälscher schaffen die Experten so zu täuschen, dass diese – sogenannten Experten hineingelegt werden. Spricht man persönlich mit dem Einen oder Anderen sogenannten Fachmann (?) – dann sind es immer die Anderen denen so ein irrtum bei Expertisen passiert. Das ist die wahre Aussage die man bekommt, denn keiner will sich wirklich outen, dass ihm so etwas schon mal passiert ist. Da wäre er als Fachmann für gewisse Expertisen sicherlich am Kunstmarkt nicht mehr kompetent um perfektionistisches Wissen auf diesem Fach zu interpretieren. Das fälschen ist nicht all zu schwierig, wenn man Talent hat künstlerisch tätig zu sein. Wenn noch dazu das Material aus dieser besagten Zeit stimmt (Papier, Leinwand vielleicht auch Farbe) wie z.b. der Meister – Fälscher Konrad Kujau, einer der bekanntesten Fälscher im 20. Jahrhundert, der leider nicht mehr lebt. Der bräuchte nur noch den passenden Künstler. Am besten aus der Vorkriegszeit, von dem seine Werke von den Nazis konfisziert wurden, und einige Werke in der Kunstszene sogar unauffindbar sind – dann hat man als Fälscher schon gewonnen. Auch Fälscher müssen genau informiert sein, was für ein Künstler heute bei Sammlern und Mussen gefragt ist, die verzweifelt gesucht werden. Oft wird ein gesamtes Oeuvre eines Künstlers gefälscht den es gar nicht gab. Wenn was interessantes auftaucht da wird nicht gefragt wie viel das kostet, sondern – es ist endlich aufgetaucht was schon immer gesucht wurde! Auch wenn es nie existiert hatte. Wie gesagt: Es tauchen Künstler am Kunstmarkt auf, die es in ihrer biografie nie gab. Dann will jeder der Erste sein der es haben will, egal um welchen Preis.
    So wie der Düsseldorfer Kunsthändler Alfred Flechtheim der angeblich erworbene Kunst aus der Nazi-Zeit auf einem Anwesen in der Eifel versteckt hatte. Selbst ausgewiesene Kunst-Experten wie der frühere Düsseldorfer Akademie-Professor Werner Spies fielen auf diese Fälschungen herein. Dann schaltet sich meistens vor Erregung etwas Einzigartiges gefunden zu haben das Gehirn aus, um den wahren Gedanken mit Vernunft zu steuern,
    denn dann geht’s nur noch um die Gier es zu besitzen. Später kommt man drauf dass man großen Scheiß gebaut hat. bevor man es zugibt, verschweigt man’s lieber. Das sind sicherlich keine Referenzen mit denen sie im 21. Jahrhundert punkten können - ja vielleicht vor 50 Jahren, aber bestimmt nicht mehr heute. Aber dann sind die Fälscher schon über alle berge, und machen weitere Geschäfte mit Millionen - Gewinne. Das liest und hört man dann aus den Medien, aber die Dunkelziffer der Schlaumeier die beim hinschauen schon eine Fälschung zu erkennen glauben ist natürlich wesentlich größer. Das ist eine Kunst – Mafia, die manchmal auch in bilateraler Ebene, und das ganz bewusst mit Fälschern zusammen arbeiten. Ernst Schöller vom Landeskriminalamt baden-Württemberg unter berufung auf andere Fachleute sagt: Mehr als 30 Prozent der angebotenen Werke auf dem Kunstmarkt seien gefälscht, bei Druckgrafiken sogar mehr als die Hälfte. Kein Wunder, dass der bundesverband Deutscher Galerien protestiert. Schließlich sind solche Zahlen geschäftsschädigend. Wer kauft da zum beispiel noch nach leichten Herzens eine Picasso-Grafik für einige zehntausend Euro?

    Meine Meinung ist: Und da spreche ich auch als Künstler, dass nicht nur der Sammler oder die Mussen betrogen werden – NEiN! Auch der Künstler der gefälscht wurde ist betrogen.
    Denn die Unsicherheit eines absolut echten Kunstwerks zu erwerben mindert somit auch seinen Wert, und dessen Unsicherheit jenes Künstlers am Kunstmarkt. Vor allem, wenn dieser Künstler schon tot ist, ist es schwierig dessen Provenienz sowie Echtheit lückenlos zu beweisen. Wo es nachweisbar auch lebende Künstler gibt, die eine Fälschung ihrer Werke nicht erkennen ( laut Pressebericht ). Wie können da erst Fachleute 100%ige Expertisen abgeben, und das nach Jahrzehnten? Oder oft sogar nur eine Expertise von einem Foto als Echt zu erklären, ohne das Original jemals gesehen zu haben. Das muss man sich mal vorstellen!

    Dagegen kann man vorbeugen, ich meine als Künstler – und das noch zu Lebzeiten. Das ist für mich spannende Kunst, etwas zu schaffen und zu bewegen das nicht gefälscht werden kann, und absolute Sicherheit bietet, und der Sammler in Zukunft wieder vertrauen zum sammeln findet. besuchen Sie mich auf meiner Homepage, und überzeugen sie sich von meinem System. im Gespräch mit Fachleuten die mich kennen und Expertisen machen bin ich ein ROTES – TUCH in dieser branche, nach ihren Aussagen sogar geschäftsschädigend, mit leichter Androhung dies zu unterlassen. Weil nach ihren Aussagen es keine Fälschungen in absehbarerer Zeit dadurch möglich wären. Das heißt im Klartext, dass Fälschungen, sei es durch Versicherungen, oder Expertisen einschlägiger Fachleute das beste Geschäft ist am intern. Kunstmarkt. Denn man spielt bewusst mit der Unsicherheit des Käufers – leider! So schaut die Wirklichkeit aus in dieser branche. Genau diese Äußerungen jener Fachleute hat mich als Künstler bewogen etwas auf diesem Sektor in Prävention gegen Fälschungen zu unternehmen, und wenn es nur ein Tropfen am heißen Stein ist. Aber man kann dadurch diesen herschafften aufzeigen, dass es Möglichkeiten gibt, wo Manipulationen in Zukunft völlig ausgeschlossen sind. Gefälscht wurde schon immer solange es Kunst gibt – LEiDER! Mehr zur Sicherheit mit dieser Einzigartigkeit gegen Kunstfälschungen im 21. Jahrhundert finden sie unter:
    www.fingerprint-on-art.com


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