Sandro Botticelli
Ein diskreter Deal und seine Folgen

Dem Herzog von Hamilton gehörten einst Zeichnungen von Botticelli und prächtig illuminierte Handschriften. Weil sein Enkel dringend Geld benötigte, veräußerte er die Sammlung an die Berliner Museen. Das Kupferstichkabinett erinnert nun an einen umstrittenen Deal des späten 19. Jahrhunderts.

BerlinWann und wo Alexander Douglas, der zehnte Herzog von Hamilton, seinen größten Fang machte, ist nicht überliefert. Warum jedoch Sandro Botticellis sublime Zeichnungen zu Dantes „Divina Commedia“ die holzvertäfelte Library von Hamilton Palace im Südwesten Schottlands für immer verlassen mussten, daran erinnerte man sich im Vereinigten Königreich noch lange. Es war der Enkel des Herzogs, der mit dem Verkauf der Sammlung an die Berliner Museen 1882 seine immensen Schulden decken wollte. Übrigens vergeblich: 1927 wurde Hamilton Palace, das größte Privathaus Schottlands, dem Erdboden gleichgemacht.

Nun erinnert das Kupferstichkabinett mit der Ausstellung von 32 Botticelli-Zeichnungen und 18, teils prächtig illuminierten Handschriften aus der Hamilton-Kollektion an einen der spektakulärsten Kunstkäufe des späten 19. Jahrhunderts. „Kaum ein Ereignis hat die Kunstwelt am Ende des 19. Jahrhunderts mehr bewegt als der Verkauf der Sammlung Hamilton“, erklärt Heinrich Schulze Altcappenberg. Er betreut als Direktor des Berliner Kupferstichkabinetts den kunsthistorisch relevanteren Teil der Schätze. Weitere Manuskripte dieser Sammlung verwahrt die Berliner Staatsbibliothek.

Die Auktion, die nicht stattfand

Das außergewöhnliche Ausstellungsangebot des Kupferstichkabinetts vertieft und ergänzt die große Botticelli-Schau des Londoner Victoria & Albert-Museum, die derzeit in Berlin gastiert. Zuletzt waren die Zeichnungen des Renaissancemalers in Berlin im Jahr 2000 ausgestellt. Nun wird an ihrem Beispiel einmal mehr die Geschichte der eigenen Institution unter die Lupe genommen.

Am Anfang des Rundgangs erblickt man Sotheby’s Auktionskatalog von 1882. Er erinnert daran, dass Douglas’ Enkel die Kollektion ursprünglich versteigern lassen wollte, darunter den „Codex Hamilton 201“ mit 84 eingebundenen „Commedia“-Zeichnungen Botticellis auf Pergament. Der Katalog kam nie zur Auslieferung, der Hamilton-Sale fand nicht statt. Ausgestellt ist das Exemplar, in dem der seit 1876 amtierende Direktor des Kupferstichkabinetts, Friedrich Lippmann, mit Kopierstift die Lose markiert hatte, die er später direkt vom Eigentümer erwarb.

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Ein diskreter Deal und seine Folgen

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Aus dem Portemonnaie von Kaiser Wilhelm I.

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