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„Sauberer“ Feldzug ein Mythos - Ausstellung zu Wehrmachtsverbrechen

Symbolträchtiger könnten Ort und Zeit für eine Ausstellung über Wehrmachtsverbrechen in Polen nicht sein. Am 65. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen wurde im Warschauer Königsschloss, das während des Krieges von den Deutschen zerstört wurde, eine von deutschen und polnischen Historikern erarbeitete Ausstellung eröffnet, die zunächst in Polen und im kommenden Jahr auch in mehreren deutschen Städten gezeigt wird. „Mit größter Brutalität.....“ lautet der Titel der Ausstellung, die mit dem Bild vom „sauberen Septemberfeldzug“ aufräumt.

dpa WARSCHAU. Symbolträchtiger könnten Ort und Zeit für eine Ausstellung über Wehrmachtsverbrechen in Polen nicht sein. Am 65. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen wurde im Warschauer Königsschloss, das während des Krieges von den Deutschen zerstört wurde, eine von deutschen und polnischen Historikern erarbeitete Ausstellung eröffnet, die zunächst in Polen und im kommenden Jahr auch in mehreren deutschen Städten gezeigt wird. „Mit größter Brutalität.....“ lautet der Titel der Ausstellung, die mit dem Bild vom „sauberen Septemberfeldzug“ aufräumt.

„Dieses Schlagwort hat sich leider als Mythos erwiesen“, bilanzierte Klaus Ziemer, der Direktor des Deutschen Historischen Institut (DHI) in Warschau, das Ergebnis vierjähriger Forschungsarbeit. Das Projekt des DHI-Historikers Jochen Böhler zu den ersten beiden Kriegsmonaten kam zu dem Ergebnis, dass Kriegsverbrechen und Verbrechen an Zivilisten von Anfang an Teil der Kriegsführung war.

Ziemer erinnerte an die Bombardierung der Stadt Wielun, Stunden ehe die ersten Schüsse des Zweiten Weltkriegs fielen. Bei dem Angriff kamen 1200 Menschen ums Leben, tausende wurden verletzt. „Ein Kriegsverbrechen“, betonte Ziemer. Die Wehrmachtsführung habe noch vor dem eigentlichen Kriegsbeginn „zumindest ahnen müssen, was erwartet wurde“. Angesichts von Massenerschießungen bereits im September habe es einzelne Proteste der mittleren Führungsebene gegeben, die „Massenverbrechen nicht mit der Würde des deutschen Soldaten vereinbar hielten“.

Der Vorschlag, das wissenschaftliche Projekt in einer Ausstellung einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen, kam vom Institut des Nationalen Gedenkens (IPN), das für die juristische und wissenschaftliche Aufarbeitung nationalsozialistischer und stalinistischer Verbrechen zuständig ist. „So etwas wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen“, sagte Ziemer zu der engen Zusammenarbeit mit den polnischen Kollegen. Auch IPN-Historiker Pawel Kosinski lobte die Kooperation: „Eine sehr enge, sehr gute Zusammenarbeit.“

Die IPN-Juristen hatten zuvor andere Erfahrungen in Deutschland gemacht. Bis in die 80-er Jahre hätten deutsche Staatsanwaltschaften die Mitteilungen der polnischen Justiz zu Kriegsverbrechern während des Septemberfeldzugs unter unterschiedlichen Begründungen abgewiesen. Es gab kein einziges Ermittlungsverfahren.

„Um so höher ist die Verantwortung der Historiker, die Einzelheiten aufzuklären und den Opfern Achtung zukommen zu lassen“, betonte Ziemer. So zeigt die Plakatausstellung tote Zivilisten, Luftangriffe auf Flüchtlinge, in Schutt und Asche gelegte polnische Städte, die keine militärischen Ziele waren. Internierungslager werden auf den Bildern aus deutschen und polnischen Beständen ebenso dokumentiert wie die Angriffe auf Juden und die Erschießung von Geiseln.

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