Sauvignon blanc
Reinrassiger Schluck

Vor zwanzig Jahren noch war der Sauvignon blanc von allen bekannten Rebsorten die unbekannteste. Damals sprach kaum jemand von dieser Traube, obwohl einige der weltbesten Weißweine aus ihr gefertigt werden. Seit geraumer Zeit nun ist dieser würzige Schluck in aller Munde.

Pinot grigio oder Chardonnay verschwinden von den Weinkarten. Stattdessen genehmigt sich die Hier-und-heute-Frau zum Salätchen ein Glas Sauvignon.

Und auch die Herren haben nichts gegen diesen Wein einzuwenden: Er passt mit seiner frischen Säure, mit seinen Aromen von Stachelbeeren, Cassis und Spargel, manchmal auch von frisch gemähtem Gras gut zur mediterranen Küche.

Eine nette Mode. Die hiesige Gastronomie hat sich rasch darauf eingestellt. Und auch die Supermärkte bieten mit. Die Ware ist, wie groß angelegte Tests ergaben, von einer zumindest passablen Qualität. Sauvignon wird zum Glück (noch) nicht verramscht.

Die Rebe stammt vermutlich aus der Gegend von Bordeaux. Ihre eigentliche Heimat aber hat sie an der Loire gefunden, wo sie auf Tuffstein und den mit Feuerstein durchsetzten Kalkböden zu Bestform gerät. Die Anbaufläche umfasst rund 4 500 Hektar (so viel, wie an der Nahe insgesamt wächst). Tendenz: steigend.

Auch in der Region Touraine und im Hügelland rund um die erhabenen Plätze Sancerre und Pouilly-Fumé freunden sich Winzer mit dieser Sorte an. Gebiete wie Quincy, Reuilly oder Giennois, von denen selbst in Frankreich nur Eingeweihte wissen, trumpfen mit außergewöhnlich gutem Sauvignon auf. Die Ergebnisse des dritten Weinduells im „Weekend Journal“ bestätigen diesen Trend.

Im „Oxford Weinlexikon“ von Jancis Robinson ist nachzulesen: „An der Loire begegnet man Sauvignon in seiner reinsten, unverfälschtesten Form.“ Das ist eine klare Kampfansage gegen den Rest der Welt.

Die Winzer aus Neuseeland dagegen beanspruchen, dank stürmischer Fortschritte in der Kellertechnik aus dieser Sorte eine bis dahin ungekannte Fülle von Aromen herausgekitzelt zu haben. Tatsächlich prunken die Weine von der Hawk’s Bay oder von Marlborough mit einem derart überquellenden Fruchtgeschmack, dass daneben mancher Sancerre etwas altbacken wirken kann.

Als die Neuseeländer vor etwa zehn Jahren zum ersten Mal mit Sauvignon den europäischen Markt betraten, war die Überraschung hier groß. Inzwischen hat sich die Begeisterung gelegt. Die vordergründigen Fruchtbomben machen nach einer Weile satt. Genießer wenden sich wieder den wesentlich dezenteren Loire-Weinen zu.

Auch die Südtiroler sind auf ihren Sauvignon stolz, ebenso die Steiermärker. Die nennen die Sorte – völlig falsch – Muskatsylvaner.

In Deutschland wird Sauvignon blanc derzeit auf 200 Hektar angebaut. Das sind eben mal zwei Promille der hiesigen Anbaufläche, doch mit steigender Tendenz. Es zeigt sich, dass die Traube hier durchaus ihre Berechtigung hat. Den Winzern werden die Weine aus den Händen gerissen.

Es lag in der Luft, Loire gegen den Rest der Welt antreten zu lassen. An der drei Stunden währenden Blindprobe beteiligten sich neben dem Autor die Kölner Wein-Gastronomin Christina Fischer und dazu Alfred Voigt, Sommelier im Essener Sterne-Restaurant „Residence“. Am Ende stand fest, was die Teilnehmer schon geahnt hatten: Die Loire ist nicht zu schlagen.

Die einzigen Winzer, die den Franzosen ernsthaft Konkurrenz machen können, sind die Südafrikaner. Nicht nur direkt am Kap der Guten Hoffnung oder 1 000 Meter hoch in den Cederbergs, wo es angenehm kühl ist, findet der Sauvignon beste Standorte. Auch im heißen Robertson Valley weiter im Land zeigen ehrgeizige Winzer, dass sie rassige und ungemein mineralische Tropfen zu fertigen wissen.

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