Schäppchenpreise in New York
Auf die Jagd

Weihnachts-Shopping in New York – beim Dollar-Kurs von fast 1,50 pro Euro kommen in diesem Jahr voraussichtlich so viele Touristen in die festlich geschmückte US-Metropole wie schon lange nicht mehr. Das New Yorker Kaufhaus Century 21 lockt mit Designer-Labels zu Discountpreisen.
  • 0

Ute aus Offenbach wird fast erdrückt von der Wand aus Handtaschen, die an ausgespreizten Haken von runden Metallständern hängen, mehr als zwei Meter hoch, rechts wie links, nahezu undurchdringlich. Trotzdem wagt sie sich weiter vor, bis tief in die Ecke des Ladens. Es muss ein Paradies sein - auf Tuchfühlung mit den begehrten Umhängern aus weichem Leder, edlem Stoff oder buntem Plastik. Wenige Schritte weiter wird Ute fündig: eine braune Ledertasche des italienischen Designers Francesco Biasia, von 475 Dollar heruntergesetzt auf 190 Dollar. "So eine wollte ich schon immer haben", sagt Ute mit leuchtenden Augen. Außerhalb des Handtaschen-Waldes wartet ihr Mann. Er bewacht zwei große Plastiktüten mit der roten Aufschrift Century 21.

Weihnachts-Shopping in New York - beim Dollar-Kurs von fast 1,50 pro Euro kommen in diesem Jahr voraussichtlich so viele Touristen in die festlich geschmückte US-Metropole wie schon lange nicht mehr. Und im Kaufhaus Century 21 gleich neben Ground Zero, der meistfotografierten Baugrube der Welt, lässt sich der aus Sicht europäischer Schnäppchenjäger bereits erfreuliche Wertverfall der US-Währung nochmals beschleunigen. Denn auf insgesamt vier Ebenen und rund 1400 Quadratmeter Verkaufsfläche bietet "New Yorks bestgehütetes Geheimnis" - so die Eigenwerbung - Hunderte von Designer-Labels und Markenartikel zu Discountpreisen an, mit Abschlägen von "25 bis 75 Prozent".

Wer auf ein gehobenes Shopping-Erlebnis wert legt, für den ist die Wühltisch-Atmosphäre von Century 21 allerdings keine Attraktion. Das 1934 errichtete Gebäude, ehemals die Zentrale der längst untergegangenen East River Savings Bank, ist bis unters Dach vollgestopft mit Waren. An hektischen Tagen bleiben Hosen, Hemden und Blusen, die von Kunden nicht richtig wieder aufgehängt wurden, schon mal lieblos schräg auf Kleiderbügeln hängen, wenn sie nicht auf den Boden gerutscht sind.

Touristen mit Rucksack müssen aufpassen, dass sie beim Wenden in den engen Zwischenräumen nicht das Regal hinter sich leer fegen. Bei der Suche nach der richtigen Größe sind Kunden meist auf sich allein gestellt. Das Personal im schwarzen Outfit mit seinen Schürzen, die eher einem Floristen angemessen wären, ist mit fachkundiger Beratung meist überfordert. Stattdessen sind die Verkäufer damit beschäftigt, die Lücken in den Regalen und Ständern zu füllen und die Schlangen an den Kassen nicht zu lang werden zu lassen.

Century 21 wurde 1961 von den drei Brüdern Abraham, Ralph und Samuel Gindi gegründet. Bis heute ist das Unternehmen in Familienhand, ebenso das Management. Abraham - Geburtsjahr 1922 - fungiert immer noch als Chairman, sein zwei Jahre jüngerer Bruder Ralph als Executive Vice President. Die operative Verantwortung ist mittlerweile auf die Nachfahren übergegangen. Raymond Gindi, Jahrgang 1967, teilt sich mit Isaac Gindi, Jahrgang 1960, die Position des Vorstandschefs.

Heute gehören den Gindis neben Century 21, das mittlerweile fünf Filialen in der näheren Umgebung von New York betreibt, Immobilien und Großhandelsunternehmen. Nach Informationen der Wirtschaftsdatei Dun&Bradstreet (D&B) machte Century 21 zuletzt rund 137 Millionen Dollar Umsatz, beschäftigt rund 2100 Mitarbeiter, ist solide finanziert und zeigt gegenüber Lieferanten eine prompte Zahlungsmoral. Der Nettobuchwert des Unternehmens - grob gesagt alle Vermögenswerte minus alle Verbindlichkeiten - ist laut D&B von Ende 2002 bis Anfang 2007 von 78 auf 117 Millionen Dollar gestiegen.

Seite 1:

Auf die Jagd

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Schäppchenpreise in New York: Auf die Jagd"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%