Scharfe Kritik an Absetzung von Mozart-Oper
„Idomeneo“ fällt Angst vor islamistischen Attacken zum Opfer

Die Deutsche Oper Berlin hat aus Sorge über mögliche islamistische Anfeindungen die Mozart-Oper „Idomeneo“ vom Spielplan abgesetzt. Grund seien bei den Berliner Sicherheitsbehörden eingegangene Hinweise, dass Szenen der Inszenierung derzeit ein unkalkulierbares Sicherheitsrisiko für das Haus darstellten, teilte das Opernhaus am Montag in Berlin mit. Politiker aller Parteien reagierten mit Unverständnis und scharfer Kritik auf die Entscheidung.

HB BERLIN. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, der für Mittwoch Muslime zur ersten Islamkonferenz nach Berlin eingeladen hat, kritisierte die Absetzung scharf. „Das ist verrückt“, sagte er am Montagabend in Washington. Ein solcher Schritt sei lächerlich und inakzeptabel. Auch der Regisseur der Mozart-Oper „Idomeneo“, Hans Neuenfels, kritisierte die Entscheidung der Intendanz.

In der Neuenfels-Inszenierung, die bereits während der Premiere im Dezember 2003 auf heftige Publikumsproteste gestoßen war, präsentiert König Idomeneo die abgeschlagenen Köpfe von Poseidon, Jesus, Buddha und Mohammed und stellt sie auf vier Stühle. Die Szene hatte damals zu Tumulten im Opernhaus geführt. In den damaligen Besprechungen der Aufführung in Presse, Funk und Fernsehen war die Szene als radikale Abrechnung mit Religion und Religionskriegen verstanden worden. Neuenfels gilt Regisseur, der gern das Publikum provoziert.

Um eine Gefährdung des Publikums und der Mitarbeiter auszuschließen, habe sich Intendantin Kirsten Harms entschlossen, von der Wiederaufnahme des „Idomeneo“ am 5., 8., 15. und 18. November abzusehen, hieß es in der Mitteilung des Opernhauses. Bei der 1781 uraufgeführten Oper geht es um den Widerstand der Menschen gegen Opfergaben an die Götter.

Regisseur Neuenfels äußerte gegenüber der „Berliner Morgenpost“ zwar Verständnis für die Bedenken der Intendantin, betonte aber zugleich, dass man sich nicht einschüchtern lassen dürfe. „Dann hätte man erst recht spielen und den Vorgang thematisieren und diskursiv einbetten sollen. Dafür ist in unserem Kulturverständnis das Theater da“, zitierte das Blatt den Regisseur. Er wisse nicht, ob er angesichts der aktuellen Lage „Idomeneo“ heute noch so inszenieren würde, aber zu dieser Fassung stehe er und werde sie nicht ändern. „Natürlich frage ich mich, in wie weit man inzwischen schon mit der Schere im Kopf an einen neuen Regieauftrag herangeht."

Das Berliner Landeskriminalamt hat nach Angaben aus Sicherheitskreisen schon im Juli vor islamistischen Anfeindungen bei einer Wiederaufnahme der Mozart-Oper „Idomeneo“ gewarnt. Der Kulturverwaltung des Berliner Senats sei dazu eine so genannte Gefährdungsanalyse übermittelt worden, hieß es am Dienstag. Ausgelöst worden sei dies durch einen anonymen Hinweis.

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