Schauwerk
Neuerwerbungen kommen erstmal unters Bett

Christiane und Peter Schaufler sammeln nicht des Investments wegen. Sie suchen Ruhe und Klarheit in der Kunst. Am Stammsitz ihres Klimatechnik-Unternehmens in Sindelfingen haben sie für ihre 3000 Werke ein Privatmuseum gebaut.
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Sindelfingen Peter Schaufler kommt leise, mit einem fragenden Lächeln auf den Lippen. Drei Augenpaare heften sich an seine zierliche Erscheinung, die freundlich kokett, aber keineswegs siegesgewiss den Raum betritt. Schauplatz ist das selbst finanzierte Privatmuseum "Schauwerk Sindelfingen" bei Stuttgart, das der Unternehmer Peter Schaufler gemeinsam mit seiner Frau Christiane Schaufler-Münch vor neun Monaten eröffnet hat; Anlass die bevorstehende erste Wechselausstellung "Imi Knoebel".

Für das Handelsblatt-Gespräch im Beisein des Museumsstabs hat sich der Siebzigjährige sorgfältig vorbereitet und zurechtgemacht. Ein schwarzer, modischer Strukturschal aus feinstem Strick liegt ihm locker um den Hals. Kräftig grün leuchtet das Einstecktuch auf seinem anthrazitfarbenen Einreiher, passend zur schräg gestreiften Krawatte in Schwarz-Weiß-Grün auf weißem Hemd.

"Der Chef ist immer da, wenn es sein muss"

Grün ist die Erkennungsfarbe des Familienunternehmens Bitzer, das Peter Schaufler 1979 in dritter Generation vom Vater erbte und in den letzten 32 Jahren zum Weltmarktführer in Kälte- und Klimatechnik ausgebaut hat. 2765 Menschen beschäftigt er in 34 Vertriebs- und Produktionsstätten auf der ganzen Welt. "Ich bin mehr im Flieger zuhause als in den eigenen vier Wänden, weil ich zwei bis drei mal jährlich alle Niederlassungen bereise. Der Chef ist immer da, wenn es sein muss." Verständlich, dass er die Frage nach dem Bild über seinem Sofa so beantwortet: "Über dem Bett hängt ein monochrom goldenes Metallbild von Gerhard Merz, darüber eine Schriftarbeit von Sylvie Fleury."

Schauflers Leben ist anstrengend wie in den Siebzigern, in denen er einige Jahre mit seiner Frau im heißen und geräuschvollen Brasilien lebte. "Wir haben uns danach auf total einfache Dinge konzentriert, die meinen sehr gestressten Tagesablauf abends, wenn ich zuhause war, etwas abmildern konnten". Fritz Ruoffs abstrakte "Schnurcollage" (1979) auf weiß bemaltem Holzgrund ist ihr erster Ankauf. Eine Arbeit von unscheinbarer Eleganz, die Ruhe und Klarheit ausstrahlt. Für das Ehepaar Schaufler ist dies von Anfang an ein entscheidendes Kriterium ihrer Sammelleidenschaft und noch heute, 3000 Ankäufe später, wichtig. Als Entdecker sieht sich Peter Schaufler deshalb eher nicht, allenfalls wenn er unter sein Bett schaut. Dort deponiert er frische, noch verpackte Ankäufe, auf dass sie ihn - später wieder hervorgeholt - im Idealfall auch beim zweiten Anschauen überraschen und verführen.

Zero-Kunst ist längst nicht mehr "in", als der schwäbische Unternehmer die in den späten Fünfzigern, frühen Sechzigern international ausstrahlende Avantgarde-Bewegung für sich entdeckte. Als er sich für eine durchbohrte Leinwand ("Concetto spaziale") Lucio Fontanas entscheidet, steht er noch ganz am Anfang seiner Sammlerkarriere. "Das war für mich ein Meilenstein. Ich habe eigentlich nur Dinge gesammelt, die mir gefallen haben, ungeachtet des Namens, der Herkunft und des Preises." Das kann die Stuttgarter Galeristin Edith Wahlandt bestätigen. Ihr gefällt die Begeisterungsfähigkeit Schauflers. "Er geht sehr emotional vor, erwirbt oft größere Werkgruppen, aber er sammelt überhaupt nicht spekulativ."

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