Schering Stiftung
Blick über den Tellerrand

Die Schering Stiftung setzt sich dafür ein, dass Naturwissenschaftler, Künstler und Gesellschaft sich besser untereinander verständigen. Mehr als eine Million Euro vergibt die die Stiftung jährlich. Sie fließen schwerpunktmäßig an Stipendiaten im Bereich der Lebenswissenschaften und der zeitgenössischen Kunst. Sorgen bereiten die niedrigen Zinsen. In diesem Jahr wird die Stiftung zehn Jahre alt.
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BerlinEs knattert, es blitzt. Die Sinne sind überfordert. Erst nach und nach sortieren sich die Eindrücke. Blau, rot, grün leuchten Leuchtstreifen am Fuß der Wand und entlang einer Säule, die mitten im Raum steht. Wenn sie aufleuchten, ertönt jeweils ein knarrender, dröhnender Laut, wenn sie erlöschen, verschwindet auch der Ton. In der Raummitte steht ein nackter Lautsprecher auf dem Boden in einem rot leuchtenden Quadrat; in seiner Muschel springen Aspirin-Tabletten im Rhythmus der Klänge und erzeugen ein rasselndes Geräusch.

Je länger man sich in diesem, auf den ersten Blick unübersichtlichen Werk des britischen Künstlers Haroon Mirza aufhält, desto deutlicher erscheint dessen Struktur. Die lauten Klänge sind an die Leuchtstreifen gekoppelt, das Ein und Aus der Lichter erzeugt einen regelmäßigen Beat, der an Technosound erinnert. Klang, Licht und Raum agieren in Wechselwirkung, wie in einem Musikclub.

Dialog zwischen Wissenschaft und Kunst

Doch nicht in einem der vielen Clubs von Berlin ist dieses ohrenbetäubende Klang- und Raumerlebnis zu bewundern, sondern am seriösen Boulevard Unter den Linden, im Projektraum der Schering Stiftung www.scheringstiftung.de , in deren Auftrag Haroon Mirza diese Installation geschaffen hat. 2011 erhielt der Künstler bei der Biennale in Venedig den Silbernen Löwen als „Most Promising Artist“. Die Stiftung feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen. Seit 2009 zeigt sie in ihrem Schauraum am prominenten Ort drei bis vier Ausstellungen pro Jahr mit eigens für den Raum konzipierten Arbeiten.

Den „Dialog zwischen Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft“ zu fördern – mit dieser Devise ist die Stiftung 2002 angetreten, gegründet vom damaligen Berliner Pharmahersteller Schering, der 2006 von der Bayer AG geschluckt wurde. 2010 wurde aus der Bayer Schering Pharma AG schließlich die Bayer HealthCare Pharmaceuticals.

So ist die mit 35 Millionen Euro Stiftungskapital ausgestattete Schering Stiftung heute der einzige Träger dieses traditionsreichen Namens. Für die Berliner Kunst- und Wissenschaftslandschaft ist die Schering Stiftung ein wichtiger Faktor, wie ein rascher Blick auf die aktuellen Förderprojekte zeigt. So ist sie wesentlich an der Finanzierung der großen „Weltausstellung“ unter dem Titel „The World is not fair“ beteiligt, die das „Hebbel am Ufer“ www.hebbel-am-ufer.de zum Abschied ihres langjährigen Intendanten Matthias Lilienthal bis Ende Juni auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof zeigt – ein Kunst- und Theaterkraftakt mit zahlreichen Pavillons unter anderem von Willem de Rooij, RabihMroué und Harun Farocki.

 

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