Schlammschlacht
Filmriss in Tempelhof

Die Ruhe im stillgelegten Flughafen Berlin Tempelhof ist trügerisch: Um die Nutzung des riesigen Leer-Gebäudes aus der Nazi-Zeit tobt eine Schlammschlacht. Überraschend hat Berlin angekündigt, seinen Flughafen an die Modemesse Bread & Butter zu vergeben. Das Studio Babelsberg wittert Kungelei – und schlägt zurück.

BERLIN/DÜSSELDORF. Ein kalter Ostwind fegt Papierfetzen über den Parkplatz. Nur wenige Menschen verirren sich noch hierher zum Flughafen Tempelhof. Die einen suchen im monströsen Gebäude, in das 30 Fußballfelder passen, das Fundbüro des Bezirksamtes. Andere eilen am Revue-Nachtklub „La vie en rose“ vorbei zum Mittagessen ins betagte Casino.

Am 30. Oktober 2008 um 22.12 Uhr startete von hier die letzte Linienmaschine der Air Berlin. Seitdem herrscht Ruhe am legendären Stadtflughafen, über den einst die Amerikaner mit ihren „Rosinenbombern“ die Berliner während der Blockade der Sowjets 1948/49 mit Lebensmitteln versorgten.

Doch die Ruhe täuscht. Um die Nutzung des riesigen Leer-Gebäudes aus der Nazi-Zeit tobt eine Schlammschlacht: Mode gegen Film lautet das Duell. Karl-Heinz Müller von der Modemesse Bread & Butter kämpft gegen Carl Woebcken vom Filmproduzenten Studio Babelsberg, der am Freitag seine Anwälte einschaltete.

Was ist passiert? Müller verkündete Ende Januar in Berlin, dass er einen Mietvertrag für seine Modemesse unterschrieben habe. Zweimal jährlich darf seine Bread & Butter für je einen Monat sieben Hangars, Büros, die Haupthalle und Teile des Flughafenvorfelds für seine Mode-Show nutzen. So nimmt er rund 61 000 Quadratmeter sowie Teile des Flugfeldes in Beschlag. Das steht im Zehnjahres-Mietvertrag zwischen Müller und der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) – mit dem Segen von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).

Film-Mann Woebcken, Chef von Studio Babelsberg in Potsdam, schäumt: „Tempelhof für zehn Jahre wegzugeben, das stinkt zum Himmel.“ Ihm reicht‘s: „Wir gehen knallhart vor. Notfalls werden wir vor Gericht gegen Herrn Wowereit ziehen.“

Gesagt, getan. Am Freitag hat er Wowereit und seinem Noch-Finanzsenator Thilo Sarrazin eine Unterlassungserklärung geschickt. Damit will Woebcken unterbinden, dass das Tandem weiterhin behauptet, Studio Babelsberg habe Tempelhof für einen Mietpreis im „Taschengeldformat“ haben wollen. Doch Woebcken versichert, er habe nie ein konkretes Angebot abgegeben. Es habe auch nie eine Ausschreibung gegeben. Muss auch nicht sein, sagt eine Sprecherin der Immobilienfirma BIM: „Mietverträge sind nach Maßgabe der Verdingungsordnungen generell nicht ausschreibungspflichtig.“ Bis heute haben Wowereit und Sarrazin nun Zeit, auf die Unterlassungserklärung von Studio Babelsberg zu reagieren. Senatssprecher Richard Meng bestätigte dem Handelsblatt gestern, dass ein Schreiben der Filmwirtschaft eingetroffen sei, und fügte hinzu: „Ich sehe da keine Rechtsprobleme.“

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