Schloss Ahlden
Gesprächsstoff für Tisch-Gäste

Paarweise auftretende Porzellantiere stehen an der Spitze des Meissen-Angebots von Schloss Ahlden. Die Stücke sind mit hohen Schätzpreisen versehen. Eine Seltenheit ist das Figurenensemble mit Schimmeln und exotischen Pferdeführern.
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DüsseldorfEin von Johann Joachim Kaendler um 1740 entworfenes Eichelhäher-Paar und eine Porzellan-Gruppe mit Schimmeln und orientalisch gewandeten Pferdeführern führen das Meissen-Angebot der November-Auktion von Schloss Ahlden an. Insbesondere die zu einander gehörende, um 1750 entworfene Pferdegruppe verdient Aufmerksamkeit. Laut Katalog kommen die unwesentlich restaurierten Pendants am 24. November zum Schätzpreis von 48.000 Euro zum Aufruf (Los 588).

Im 18. Jahrhundert stellte man sich solche figürlichen Ensembles weder auf das Kaminsims noch in die Vitrine. Sie dienten als Tafelaufsatz und sollten für den Gesprächsstoff der geladenen Gäste sorgen. Komplett war so ein Tafelaufsatz aber erst in der Kombination mit einer Krinolinen-Figurengruppe oder Laubenszene.

Spiel mit Farben

Die Pferdeführer werden im Katalog als „Pole in türkischem Gewand“ und als „Mohr mit Spanischem Pferd“ beschrieben. Sie stehen auf einem gerundetem, dicht mit plastischen Blatt- und Blütenranken besetzten Natursockel, wobei zu beachten ist, dass sie die Vegetation nicht "zertrampeln". Erwähnenswert ist darüber hinaus das im 18. Jahrhundert typische Spiel mit Farben. So wiederholt sich etwa das Seegrün im Gürtel des Mohrs im Zaumzeug der Pferde während das Blassgelb im Hemd des Polen sich im Schuhwerk des Mohrs wiederfindet.

Mohren arbeiteten am sächsischen Hof in Dresden als Diener. Sie wurden aufgrund ihres exotischen Aussehens geschätzt. Die Anregungen für die türkischen Accessoires lieferten die Exponate der „Türckischen Cammer“, deren Ausstattung August dem Starken am Herzen lag. Er selber kämpfte einst als Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen gegen die Türken. Später schickte er seinen Adjutanten auf Einkaufstour nach Konstantinopel und ließ Kamele und Araberpferde samt edlem Zaumzeug für seine barocken Feste importieren.

Anhaltspunkte für eine Datierung

Der Abbildung nach ist die Porzellangruppe von Schloss Ahlden von feiner Qualität. Letzte Aufschlüsse muss die Inspektion am Original ergeben. So gilt es, die im Katalog nicht abgebildete Schwertermarke zu bestimmen und festzustellen, ob die Unterseite des Sockels geschlossen oder geöffnet ist. Sie geben Anhaltspunkte für eine Datierung der Ausformung und Bemalung (Staffierung). Auch lohnt ein Blick in die Kataloge einschlägiger Versteigerer.

Um Gegenstücke handelt es sich auch bei dem Paar Eichelhäher (Los 587). Die naturnah erfassten Porzellantiere stehen auf einem naturalistischen Baumstamm mit „aufbossierten“ Eicheln und Blättern, diversen plastischen Insekten und einem herab springenden Eichhörnchen. Der Schätzpreis beträgt atemberaubende 95.000 Euro. Vor fast einem Jahr wurde bei Sotheby’s in London eine sehr ähnlich aussehende Gruppe zum Hammerpreis von 25.000 Pfund versteigert. Hier lag die Taxe bei 20.000 bis 30.000 Pfund.

Auktionen auf Schloss Ahlden am 24. und 25. November. Zum Aufruf kommen insgesamt rund 1.900 Losnummern.

Vorbesichtigung bis 22. November täglich von 13  bis 17 Uhr.

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