Schmuck
Das Erbstück des letzten Kaisers

Die Auktion von Sammlerobjekten wie Diamanten und Uhren entwickelt sich zu einem einträglichen Geschäft. Nächste Woche versteigert Sotheby's in Genf ein preußisches Kronjuwel.
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Genf/Potsdam„Sans Souci“, „ohne Sorge“, lautet der Sinnspruch, der - gemäß dem Geist der Zeit in französischer Sprache - am Potsdamer Sommerschloss Friedrich II. prangt. Der aufklärerisch gesinnte König suchte hier, inmitten ausgedehnter Parkanlagen, Zuflucht vor Kriegen und den Staatsgeschäften.

Fast drei Jahrhunderte später drücken im Hause Preußen nicht mehr blutige Schlachten und mühsames Regieren aufs Gemüt, sondern allenfalls ganz bürgerlich-materielle Nöte. Womöglich ist das der entscheidende Grund, weshalb nächste Woche, am 15. Mai, in Genf ein Diamant versteigert wird, in dessen Schliff sich wie in keinem zweiten Edelstein die Geschichte des europäischen Hochadels spiegelt.

Der „Beau Sancy“ ist 34,98 Karat schwer (das entspricht 6,996 Gramm), 22,78 Millimeter hoch und 19,58 Millimeter breit. Seine Geschichte lässt sich nahezu lückenlos bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Der Diamant ist ein Erbstück des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II., dessen Urenkel Georg Friedrich Prinz von Preußen ihn nun verkaufen lässt.

Das Auktionshaus Sotheby's taxiert das Kronjuwel, das ursprünglich in Indien gefunden wurde, auf 1,5 bis drei Millionen Euro. Aber mehr noch als den materiellen Wert schätzt Philipp Herzog von Württemberg den in Tropfenform geschliffenen Stein wegen seiner „faszinierenden Historie“. Der Europa-Chef von Sotheby's sagt: „Diesen Stein können Sie nicht nur nach Karat und Reinheit bemessen. Sie müssen seine Geschichte sehen. Der Diamant ist Zeitzeuge von 400 Jahren europäischer Geschichte der Königshäuser in Frankreich und Großbritannien, von Oranien und Preußen.“

Nun könnte der Leser an dieser Stelle womöglich kurz innehalten und daran denken, dass der Herzog vielleicht ein bisschen besonders ins Schwärmen geraten ist, weil er natürlich die Fantasie interessierter Käufer anregen und so für einen möglichst hohen Preis sorgen möchte.

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