Schriftsteller
Robert Gernhardt im Alter von 68 Jahren gestorben

Der Schriftsteller, Satiriker und Karikaturist Robert Gernhardt ist tot. Gernhardt starb im Alter von 68 Jahren nach langer schwerer Krankheit am Freitagmorgen in Frankfurt. Das teilte der S. Fischer Verlag unter Bezug auf Gernhardts Ehefrau mit.

HB FRANKFURT/MAIN. Robert Gernhardt war Humorkritiker und als solcher einer von denen, über die sein Mitstreiter F.W. Bernstein das geflügelte Wort geprägt haben könnte: „Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche.“ Er war eher kritischer Humorist, Humoriker viel mehr als Kritiker des Humors. Er war Dichter, Lyriker schon eher, der sich nicht scheute, die Kunst der Versformen jenseits von Germanismus-Seminaren öffentlich zu machen. Er war Denker, Maler, Zeichner und Unterhalter mit dem so oft oberflächlich gebrauchten Begriff „Tiefgang“. Am heutigen Freitag starb der Juristensohn aus Reval, dem heutigen Tallinn, 68-jährig in seiner Wahlheimat Frankfurt am Main.

Das Multitalent Gernhardt war prägend im Genre kritischer Humor. Er war einer jener „Spiegelvorhalter“, manchmal augenzwinkernd, manchmal aber auch durchaus ernsthaft, die ihr Zuhause in der „Neuen Frankfurter Schule“ gefunden hatten. Sie entsprangen allesamt der Satirezeitschrift „Pardon“ und machten nach deren Niedergang auf der „Titanic“ weiter.

Gernhardt, die ebenfalls verstorbenen F.K. Waechter und Chlodwig Poth, dazu Eckhard Henscheid, Peter Knorr, Bernd Eilert und Hans Traxler spießten mit Gedichten, Aphorismen und vor allem auch Zeichnungen die Lebensumstände der 68-er-Generation in der Bundesrepublik auf. Der Begriff NFS war eine verballhornte Anspielung auf die die politischen 68-er gesellschaftlich prägende „Frankfurter Schule“ um die Philosophen und Soziologen Theodor Adorno und Max Horkheimer.

Der breiten Öffentlichkeit war Gernhardt vor allem als Literat bekannt, der sich auch durchaus ernsthaft mit diesem Gebiet gefasst. Aber er wäre nicht Robert Gernhardt, wenn er nicht auch, in Versform, wie bei ihm so oft, seine Selbstfindung unter diesem Titel ironisch kommentiert hätte: „Ich weiß nicht, was ich bin. Ich schreibe das gleich hin. Da hab'n wir den Salat: Ich bin ein Literat.“

Eher sparsamer Federstrich

Die Bücher Gernhardts sind oft schon im Titel ironisches Programm. Ein 1982 erschienener Roman etwa heißt „Ich, ich, ich“, ein anderes „Über alles“. Peter Rühmkorf nannte Gernhardt „Deutschlands erfolgreichsten lebenden Dichter“. Dabei wurden er und seine Frankfurter Mitstreiter lange Zeit als Nonsens-Dichter abgetan. Sie galten als unernst, und erst Anfang der 80-er Jahre setzte sich die Einsicht durch, dass die von Gernhardt ausgehende Gesellschafts- und Lebensform-Kritik in Form der Satire mehr Bedeutung hat als die Blödeleien publikumswirksamer Komiker. Doch auch diese hat Gernhardt geprägt: Er war lange Zeit Gag-Schreiber Otto Waalkes, des Zappel- und Schnellsprechkomikers vom Dienst, der ohne Gernhardts literarische Aufrüstung sicher einen schwereren Stand gehabt hätte.

Die Zeichnungen Gernhardts, viele entstanden in der von ihm geliebten Toskana, prägt ein eher sparsamer Federstrich. Viele sind Illustration zu Gedichten, viele Gedichte sind Erweiterungen der Zeichnungen. Seine Dichtkunst aber war es, die ihm vielfältig Preise und Auszeichnungen brachte, zuletzt 2004 den Joachim-Ringelnatz-Preis der Stadt Cuxhaven und den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf.

Bis zuletzt mischte sich Gernhardt auch in die aktuelle politische Diskussion ein. In einem „Tagesschau“-Interview zum Karikaturenstreit um den Propheten Mohammed verfocht er die These, dass solche Karikaturen auch zur Aufklärung beitragen. Extreme Satire zeige auch, wo Hassgefühle der jeweiligen Seite lägen. Deshalb habe Satire für ihn nur eine Grenze, die der Sachkenntnis, sagte Gernhardt im Februar. Er karikiere nichts, bei dem er sich nicht auskenne. Robert Gernhardt kannte sich in fast allem aus.

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