Schröder sprach von einer „großartigen Geste“ Estlands
„Johannes der Täufer“ zurück in Bremen

Das am Ende des Zweiten Weltkrieges gestohlene Dürer-Gemälde „Johannes der Täufer“ ist zurück in Bremen. Nach jahrzehntelanger Odyssee kann sich die Stadt Bremen wieder an dem Bild erfreuen.

HB BREMEN. Estlands Ministerpräsident Juhan Parts gab das Werk am Montagabend in Anwesenheit von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) der Kunsthalle zurück. Nach jahrzehntelanger Odyssee sind damit die beiden wertvollen Altarflügel „Der heilige Johannes der Täufer“ und „Der heilige Onuphrius“ wieder vereint. Sie gehören zu einem Triptychon, dessen dritter Teil sich im Besitz des New Yorker Metropolitan Museum befindet.

Schröder sprach von einer „großartigen Geste“ Estlands und meinte: „Es ist ein großer Tag für die Beziehungen zwischen Estland und Deutschland, für Bremen und für die Kunst, weil es beweist, was Kunst wirklich kann, nämlich Verbindendes stiften.“ Parts betonte, sein Land sei ein Rechtsstaat und halte sich an Eigentumsvorschriften. „Ich hoffe, dass auch andere Kunstwerke, die in der Fremde weilen, so heimkehren werden wie Dürers „Heiliger Johannes“.“ Als ein „Geschenk“ würdigte Bremens Regierungschef Henning Scherf (SPD) die Rückgabe.

„Nach über 60 Jahren zwei Bilder wieder vereint und zurückgekehrt in der Sammlung zu sehen, ist ein Glücksmoment“, sagte Kunsthallen- Direktor Wulf Herzogenrath. Es handele sich um einen Urbestand des Museums. Er sei dem estnischen Regierungschef und den dortigen Museumskollegen von Herzen dankbar, dass die Rückgabe „ohne jede Andeutung einer Gegenleistung“ erfolgt sei. Die Kunsthalle feiert die Rückkehr des 59 mal 21,7 Zentimeter großen Gemäldes von Albrecht Dürer (1471-1528) von diesem Dienstag an mit der Ausstellung „Der heilige Johannes aus Tallinn zurück - Der heilige Onuphrius und andere Eremiten“.

Während des Krieges hatte die Kunsthalle das Bild und andere wertvolle Schätze auf Schloss Karnzow in der Mark Brandenburg ausgelagert. Dort hatte es nach Herzogenraths Angaben 1945 ein russischer Soldat gestohlen. Als „eine russische Privatperson“ Anfang der neunziger Jahre die Tafel über Estland auf den westlichen Kunstmarkt schleusen wollte, beschlagnahmte der estnische Zoll das Werk. Es lag dann etwa zehn Jahre unerkannt im Depot des Kadriorg Kunstmuseums in Estlands Hauptstadt Tallinn. Erst im Sommer 2003 wurde es dort von holländischen Wissenschaftlern identifiziert.

Die Bremer Kunsthalle ist eigenen Angaben zufolge eine der am stärksten von Kriegsverlusten betroffenen öffentlichen Kunstsammlungen in Deutschland. Zahlreiche der im Zweiten Weltkrieg ausgelagerten Werke - darunter Gemälde, mehr als 1 700 Zeichnungen und rund 3 000 druckgrafische Blätter - sind bis heute in aller Welt verstreut.

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