Schröder stellt Autobiografie vor
„Du warst ein großer Kanzler“

Solche Sätze gehen runter wie Öl. Bei Vorstellung von Altkanzlers Gerhard Schröders Autobiografie äußerte der geladene luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker den werbeträchtigen Satz. Das kann das Buch auch gebrauchen, das Verkaufsziel des Verlages ist beachtlich.

HB BERLIN. „Du warst ein großer Kanzler“, sagte der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker bei der Vorstellung in der SPD-Zentrale an die Adresse Schröders. Schröder sagte, er hätte 2005 seine Kanzlerschaft gerne fortgesetzt. Dies sei aber durch das Wahlergebnis verhindert worden.

In acht Sprachen wird Schröders Buch demnächst erscheinen, teilte der Geschäftsführer des Verlags Hoffmann und Campe, Günter Berg mit. Es gebe Anfragen praktisch aus ganz Europa und Amerika. Die deutsche Startauflage liegt bei 160 000 Exemplaren. Wegen der großen Anfrage wird bereits ein Nachdruck vorbereitet. Der Ex-Kanzler wird in den nächsten sechs Wochen auf Lesungen mit Publikums-Diskussion im ganzen Bundesgebiet sowie in Buchhandlungen sein Buch vorstellen.

Nach Ansicht des Christdemokraten Juncker war Schröder in seinen letzten Amtsjahren „die treibende Kraft“, um die europäischen Einigung voranzubringen. Schröders viel kritisiertes enges persönliches Verhältnis zum russischen Präsidenten Wladimir Putin nannte Juncker einen „Glücksfall“ für das europäische Verhältnis zu Moskau. Mit „Kumpanei“ habe dies nichts zu tun.

Schröder habe keine selbstgerechten Erinnerungen vorgelegt, sondern eigene Fehler offen eingeräumt, sagte Juncker. Dazu gehöre etwa das Eingeständnis, in den 80er Jahren nicht mehr an die deutsche Wiedervereinigung geglaubt zu haben.

Schröder bat um Nachsicht, dass nicht alle politischen Weggefährten ausführlich gewürdigt wurden. „Ich konnte ja nicht über alle schreiben“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Dass sein früherer Innenminister Otto Schily (SPD) vergleichsweise am längsten vorkomme, habe auch mit seinem engen persönlichen Verhältnis zu dem damaligen Kabinetts-Senior zu tun. Dass sein langjähriger Kanzleramtschef, der jetzige Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), in dem Buch eher knapp gewürdigt wird, gibt laut Schröder nicht dessen tatsächliche Bedeutung in der Regierungszeit wieder: „Jeder weiß, dass mich mit Steinmeier mehr verbindet als Politik.“

Nach Schröders Ansicht braucht die SPD eine neue Reform-„Agenda 2020“ mit völlig anderen Schwerpunkten. Darin müsse der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und die Überwindung des weltweiten Wohlstandsgefälles im Mittelpunkt stehen, sagte er der dpa weiter. Mit einem solchen Konzept könne die SPD den nächsten Wahlkampf erfolgreich bestreiten. Bereits in der großen Koalition könne sich seine Partei damit profilieren.

Schröder sagte, er werde auch künftig mit Kritik an der aktuellen Politik sparsam umgehen. Ob er ein weiteres Buch schreiben wird, ließ er offen. Für ihn gebe es über seine sieben Amtsjahre trotz einiger Enttäuschungen über verfehlte Ziele keinen „Blick zurück im Zorn“. Die Vorstellung sei ihm fremd, dass man nicht verzeihen könne. „Nach einer gewissen Zeit muss man im Persönlichen ohnehin, aber auch im Politischen alle Fünfe gerade sein lassen."

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