Schwarze Romantik von Jacques Rivette
Neu im Kino: "Geschichte von Marie und Julien"

Jacques Rivette ist einer der Väter des neueren französischen Kinos, der "nouvelle vague" der 60er Jahre. Seit über fünfzig Jahren macht er Filme, und je älter er wird, desto jünger werden sie.

In seinem neuen Film erzählt er eine Liebesgeschichte: zwischen Julien, einem Uhrmacher, der sich auf die Restauration von Turm-Uhrwerken spezialisiert hat, und Marie, die er zufällig kennenlernt, und die rasch bei ihm einzieht. Doch je näher sie sich kommen, desto weiter geraten sie auseinander: "Es ist eine tiefe Kluft zwischen uns, und ich weiß nicht, wie ich sie überwinden kann".

Zusehends verwandelt sich der romantische Ton des Anfangs in schwarze Romantik, Marie wird zur immer rätselhafteren Figur, eine Intrige gesellt sich hinzu, der Film kriegt thrillerhafte Züge, Hitchcock ist nicht weit (den Rivette verehrt). Dazu die Edgar-Allen-Poe-hafte Atmosphäre eines alten, mit Uhren vollgestopften Hauses (fotografiert von Rivettes ständigem Kameramann William Lubtchansky).

Langsam wird uns der Boden unter den Füßen weggezogen. Wo sind wir hier eigentlich? In Paris? Oder in einer anderen, dunklen Welt der Träume und Alpträume und der düsteren Melancholien? Natürlich löst sich am Ende alles auf, nur wollen wir das hier nicht verraten. In den Hauptrollen: Jerzy Radziwilowicz (der seine Karriere in Polen bei Andrzej Wajda begonnen hatte) und Emmanuelle Béart (die 1991 Rivettes "Schöne Querulantin" war). Man spürt: Jacques Rivette liebt das Kino.

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