Schwierige Liebe - von Ken Loach
Neu im Kino: "Just a Kiss"

Ken Loach erzählt eine Liebesgeschichte: zwischen Casim, einem jungen Pakistani, und Roisin, der jungen Musik-Lehrerin am staatlichen römisch-katholischen Gymnasium in Glasgow.

Wenn der Film eine Schwäche hat, dann die, dass diese Liebe zwischen dem dunklen Pakistani und der blonden Katholikin mehr behauptet als gezeigt und entwickelt wird. Die Emotionalität bleibt unterkühlt, von Leidenschaft kann keine Rede sein. Aber weil wir Ken Loach mögen, glauben wir ihm diese Liebe - und werden mit einem scharfsichtigen und mitleidlosen Porträt sozialer Milieus in Glasgow belohnt. Zum einen ist das Casims Familie: Pakistani, auch in Schottland. Was Casim tut, wo er wohnt, wen er heiratet, entscheidet der Vater. Casim möchte sich nicht fügen und kommt doch von seiner Familie nicht los.

Da ist, zum anderen, Roisin. Sie ist eine aufgeklärte Katholikin, kriegt aber von ihrem Pfarrer nicht die Bescheinigung eines lobenswert-katholischen Lebenswandels, die sie für ihre Festanstellung braucht. Wo Casim nicht von den pakistanischen Traditionen und den familiären Bindungen loskommt, wird Roisin zum Opfer eines religiösen Dogmatismus. Lässt sich für diese Geschichte ein Ende finden? Die Liebe scheitert? Nein: In der letzten Szene sind die beiden wieder zusammen. Das aber ist die schlimmstmögliche Wendung: Weil damit die Konflikte auf beiden Seiten nicht gelöst noch umgangen sind, sondern weiter bestehen. Ken Loach ist kein Romantiker. Er ist Realist.

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