Seit dem 11. September 2001 haben es Einreisende arabischer Herkunft besonders schwer
Ein Mann im Niemandsland

Leben auf dem Flughafen: Steven Spielberg erzählt in „Terminal“ die Geschichte einer gescheiterten Einreise in die USA.

Yusuf Islam, besser bekannt unter dem Namen Cat Stevens, ist das jüngste Opfer amerikanischer Gründlichkeit. Man ließ den zum Islam konvertierten Schmusesänger einfach nicht rein in die USA. Die Einreisebehörden sind nervös. Seit dem 11. September 2001 haben es Einreisende arabischer Herkunft besonders schwer. Geschäftsleute beantragen Zweitpässe, aus Angst, man würde sie wegen Visa-Vermerken aus Staaten wie Marokko, Ägypten oder Dubai für Terroristen halten.

Mitten in Zeiten von Terrorhysterie und verschärften Flughafenkontrollen reagiert Hollywood nun mit einem Film, der das brisante Thema als Märchen inszeniert. Erfolgsregisseur Steven Spielberg geht vom Schlimmsten aus. Was wäre, wenn nicht nur die Einreise, sondern auch die Ausreise unmöglich wird? Ist man dann für Wochen, Monate oder Jahre auf einem trostlosen Flughafengelände gefangen?

In „Terminal“ heißt der Unglücksrabe Viktor Navorski (Tom Hanks) und kommt aus einem osteuropäischen Phantasiestaat namens Krakozhia. Er will sich Manhattan ansehen, wird jedoch aus der Menge herausgefischt und abgeführt – um zu erfahren, dass sein Land durch einen politischen Putsch auf der Landkarte ausradiert wurde. „Amerika hat geschlossen“, wird Viktor von einem Beamten angefaucht. Von nun an darf er sich nur noch im Transitbereich des JFK-Airports aufhalten. Endstation!

Der Film beruht auf der wahren Geschichte eines Mannes, der schon seit 16 Jahren auf dem Pariser Flughafen festsitzt. Er ist Iraner und heißt Mehran Karimi Nasseri. Etwa 350 000 Dollar soll der Mann, der Sir Alfred genannt wird, für die Verfilmungsrechte bekommen haben, obwohl „Terminal“ sehr von seiner Leidensgeschichte abweicht. „Eigentlich haben wir nur die Ausgangssituation benutzt“, sagt Hauptdarsteller Tom Hanks. „Ein Mann, der im Niemandsland seine Existenz sichern muss, ist ein wunderbarer Kinostoff.“

Wunderbar ist das richtige Wort, denn im Film lebt Viktor den amerikanischen Traum. Allen Hindernissen zum Trotz findet er zwischen den Terminals Freunde, einen Job und die große Liebe. Ganz anders geht es dem wahren Terminalmann, der um seine Identität kämpft. „Ich bin ihm nie begegnet“, sagt Hanks. „Soweit ich weiß, hatte er die Möglichkeit auszureisen und lehnte ab. Wer weiß, vielleicht ist er klüger als wir alle zusammen. Er trägt keine Verantwortung und bekommt das beste Essen, was sonst nur den Passagieren der 1. Klasse serviert wird. Vielleicht sollte jeder seinen Urlaub so verbringen. Zwei Monate Airport, bitte, und danach fühlt man sich wie neu geboren.“

Ganz schön sarkastisch für einen Hollywoodstar, der auf andere Weise durch die Welt jettet als Normalbürger: Hanks fliegt ausschließlich Privatjet. „Die Angst, ob man das Formular fehlerfrei ausgefüllt hat und in der richtigen Reihe steht, kenne ich noch von früher. Neulich habe ich mir mal einen Transitbereich angesehen, wo Menschen auf ihre Einreise in die USA warteten. Das war ein trauriges Bild. Amerika ist nicht mehr das Land, das allen Menschen offen steht.“

Und wie steht Hanks dazu? „Ich finde es äußerst fraglich, hinter jedem Menschen mit dunklen Haaren und dunklen Augen einen Staatsfeind zu vermuten. Mit der ewigen Furcht sollte endlich Schluss sein.“ „Terminal“ wird dazu allerdings nicht viel beitragen können. Spielberg vermeidet aktuelle Bezüge und übergießt seine Story mit so viel Zuckerguss, dass auch das letzte Fünkchen Realität darunter verschwindet. Viktor jedenfalls steigt am Ende des Films doch noch in ein Taxi nach Manhattan. Das Happy End ist gesichert.

Doch die USA werden ihre Einreisebestimmungen ab Oktober 2005 noch weiter verschärfen. Selbst europäische Touristen müssen dann Pässe mit biometrischen Daten wie digitalem Fingerabdruck, Gesichtsgeometrie und Iris-Erkennung vorzeigen. Und Sir Alfred? Der wird sein Leben wahrscheinlich weiterhin auf einer roten Flughafenbank verbringen und davon träumen, endlich nach Amerika auszureisen.

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