Selbstmitleid und Depression
Hört endlich auf zu jammern!

Schluss mit Selbstmitleid und Depression: Autoren fordern Deutschland zu frischem Denken auf.

KÖLN. Die Deutschen neigen zur Verzagtheit. Auch wenn an den Karnevalstagen gelegentlich ein anderer Eindruck entsteht: Philosophisch betrachtet, ist für viele Menschen in diesem Land das Glas Bier eher halb leer denn halb voll.

In diesem Frühjahr nun nehmen sich Buchautoren dieses mentalen Phänomens an. Die hiesige Unfähigkeit, an die Zukunft zu glauben, ist für sie nicht die Folge einer ökonomischen Misere, sondern tatsächlich eine ihrer Hauptursachen.

Stephan Grünewald etwa hat Deutschland buchstäblich auf die Couch gelegt. Mit Hilfe von 20 000 Tiefeninterviews stellt der gelernte Psychoanalytiker eine deprimierende Diagnose: Wir sind zu cool geworden. Wir träumen davon, ewig jung zu sein, und bleiben doch nur unreife Kinder. Wir haben das bequeme Ideal der neunziger Jahre verinnerlicht, sind immer noch besoffen vom Boom der New Economy und erwarten Reichtum ohne Risiko. Gleichzeitig bleiben wir allen wirklichen Missionen gegenüber distanziert.

Grünewald nennt das unsere "Angst vor Visionen" - jeder leidenschaftliche Streiter für eine Sache könnte sich ja als neuer Hitler entpuppen. Für den Psychologen ein Verhängnis. "Der coole Mensch hat seine Leidenschaften abgelegt", schreibt Grünewald. "Für ihn gibt es kein gültiges Ziel mehr. Er kommt nicht von der Stelle, sondern rotiert in der endlosen Vielfalt gleichgültiger Glücksoptionen."

Das führe nicht nur dazu, dass viele Menschen ihr eigenes Leben als Zumutung empfinden und permanent auf das nächste Wochenende oder den Urlaub warten. Vor allem, schreibt er, delegieren die freiwillig Unmündigen alle Entscheidungen an die ferne Politik. Um sich dann nachher, wenn die Volksvertreter einen Entschluss gefasst haben, umso lauter zu beschweren.

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