Serie: Globalisierung konkret - Kunstmarkt
Ein echter Polke für koreanische Wohnzimmer

Peking, Anfang Dezember. Der koreanische Kunstsammler und Geschäftsmann Ci Kim setzt sich eine Groucho-Marx-Brille mit dicken Augenbrauen auf, steigt auf eine Bockleiter und ruft fröhlich: „Willkommen in der Arario-Galerie.“ So wurde – in einer von der DDR gebauten ehemaligen Brauerei im Chaoyang-Bezirk – Pekings neueste und größte Galerie für internationale zeitgenössische Kunst eröffnet. Sie soll, hofft der Koreaner, „die Nabe der asiatischen Kunstszene“ werden.

LONDON. Der „Saatchi Asiens“, wie Kim nach seinem Vorbild, dem englischen Großsammler Charles Saatchi, oft genannt wird, ist der Szene seit 2003 bekannt. Damals kaufte er für 2,4 Mill. Euro die über vier Meter große Statue „Hymn“ des englischen Kunststars Damien Hirst, verfrachtete sie in sein Shopping-Zentrum in der Trabantenstadt Cheonan bei Seoul und stieß so in den erlauchten Kreis globaler Power-Sammler vor. Sie geben ihren Kunstsammlungen museales Gepräge, investieren gerne in ganz junge Künstler, in der Absicht sie groß zu machen, und werden früher oder später von Sammlern zu Händlern.

Kim machte Asiaten mit westlicher Contemporary Art vertraut. In Seoul hielt er große Ausstellungen mit Kunst junger deutscher Maler. Nun will er chinesische Kunst in den Westen bringen. Kims nächstes Projekt: eine Galerie in New York. Angesichts der dramatischen Globalisierung des Marktes für neue Kunst der logische Schritt. Ursprünglich sammelte Kim Chang-il, wie er hieß, bevor er seinem Namen einen westlichen Touch gab, asiatische Kunst. Vor fünf Jahren stieg er auf Westkunst um. „Das wurde für ihn durch das Internet möglich“, weiß der Londoner Galerist Jari Lager, der bei der Eröffnung in Peking dabei war. „Kim begriff, wie das westliche Kunstsystem funktioniert, was für eine Rolle Künstler spielen können, wie man sie unterstützt und bekannt macht.“

Als einer der ersten asiatischen Galeristen nahm Kim chinesische Künstler unter Vertrag. Der Erfolg ist schon zu sehen: In der neuen Pekinger Arario Gallery wurde neben Werken von Kims Lieblingsmaler Sigmar Polke und den weltweit begehrten Leipziger Malern Neo Rauch und Daniel Richter auch der Künstler gezeigt, über den bei der Eröffnung am meisten geraunt wurde: der Chinese Yue Minjun. Sein Werk „Gewong-Gewong“ hatte kurz zuvor in Christie’s Auktion in Hongkong den Rekordpreis von 641 680 Dollar gebracht.

„Nichts zeigt den globalen Trend zu Contemporary Art so klar wie die Preise, die für neue asiatische Kunst bezahlt werden“, erklärt Christie’s Vorstandschef Ed Dolman. „Bei der asiatischen Contemporary Art entwickeln sich die Preise explosiv“. Die Globalisierung hat dem Kunstmarkt in allen Segmenten superreiche neue Käufer zugeführt. Wo früher Amerikaner und Europäer unter sich waren, mischen nun Chinesen, Inder und Russen mit. Laut Dolman stieg Christie’s weltweiter Auktionsumsatz 2005 um mehr als 30 Prozent auf ein Allzeithoch von 3,2 Mrd. Dollar. Im Oktober führte Christie’s seine erste Auktion in Peking durch.

Globaler Reichtum treibt den Boom. Die Energien werden durch globale Sofortkommunikation und neue Handelsstrukturen gebündelt. Per E-Mail wird Contemporary Art simultan in der ganzen Welt angeboten und verkauft. Mit internationalen Messen haben sich Galerien globale Foren geschaffen. Datenbanken mit erzielten Auktionspreisen erlauben es, die Preisgeschichte eines Werkes am Auktionsmarkt nachzulesen.

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