Sharif ist leidenschaftlicher Spieler
Goldener Löwe für Omar Sharif

An diesem Freitag bekommt Omar Sharif (71) beim Filmfestival in Venedig den Goldenen Löwen für seine Gesamtkarriere - ob die Ehrung den sich mittlerweile einsam fühlenden Ägypter etwas aufrichtet?

HB/dpa VENEDIG. Eigentlich wollte er nie mehr vor die Kamera. „Schluss mit den schlechten Filmen, die man nur wegen des Geldes macht“, bekannte Omar Sharif erst kürzlich. Selbst das geliebte Bridge spielen habe er aufgegeben. „Ich bin im Niveau abgerutscht, und Mittelmäßigkeit kann ich nun mal nicht ertragen.“ Mehrfach hatte sich der einst lebenslustige Ägypter in den vergangenen Jahren über Einsamkeit und Alter geäußert. „Es gibt nichts mehr, was mich begeistert.“ Das klingt traurig und resigniert.

Exotisch, verführerisch und ein bisschen verrucht: Omar Sharif, Filmheld in „Doktor Schiwago“ (1966) und „Lawrence von Arabien“ (1962), war in seinen besten Jahren ein Frauenschwarm ersten Ranges - und ein Schauspieler von Weltformat. Er spielte alle Rollen, ob einen Mongolenfürsten in „Dschingis Khan“ oder einen österreichischen Thronfolger in „Mayerling“, französische Kapitäne, amerikanische Goldsucher oder indische Maharadschas.

Was nicht bedeutete, dass alle Filme oder Fernsehserien mit ihm künstlerischen Rang hatten. Teilweise nahm er die Rollen lediglich an, um seinen aufwendigen Lebensstil zu finanzieren, besonders seine Spielleidenschaft. 1982 verriet er, beim Roulette mindestens 10 Mill. Dollar durchgebracht zu haben. Da war seine Passion für Bridge harmlos, darin wurde er 1973 sogar Weltmeister.

Sharif wurde 1932 als Sohn eines reichen Holzhändlers in Alexandria (Ägypten) geboren, zunächst hieß er noch Maechel Shalhoub. 1953 bekam er seine erste große Rolle in einem ägyptischen Film („The Blazing Sun“), stieg in der Heimat rasch zum Publikumsliebling auf. 1955 heiratete er seine Schauspielkollegin Faten Hamama und trat vom Katholizismus zum Islam über. Mehr als 20 Filme, meist gemeinsam mit der Ehefrau, folgten in Ägypten, bis die Rolle als Scheich Sherif Ali in „Lawrence von Arabien“ ihm Anfang der 60er Jahre internationalen Ruhm und einen Nominierung für den Oscar als bester Nebendarsteller brachte.

1968 sorgte Sharifs Rolle an der Seite der Jüdin Barbra Streisand in „Funny Girl“ für Aufsehen, es war damals die heiße Zeit des ägyptisch-israelischen Konflikts. Affären wurden ihm mit vielen berühmten Stars nachgesagt, lange lebte er in den USA, England und Frankreich, doch im Alter zog es ihn nach einer Herzoperation in die Heimat zurück: „Nur in Kairo habe ich wirkliche Freunde. Ich war 30 Jahre in der Fremde und allein.“

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