Sie sind moderne Jäger: Die Autorin Uta Grosenick und der Unternehmensberater Axel Haubrok
„Ich kann nicht stoppen, nur weil die Bude voll ist“

Das Handelsblatt beginnt eine Serie, die immer dienstags Kunstsammler in Deutschland vorstellt. Dazu gehören bekannte große Namen wie Frieder Burda und Ingvild Goetz, Harald Falckenberg und Erika Hoffmann, aber auch Sammlerinnen und Sammler, die in der Pop-Ära groß geworden sind

DÜSSELDORF. Kunstsammler müssen glückliche Menschen sein. Erkennbar am Strahlen ihrer Augen. Wenn sie erzählen, auf welchen Wegen und Umwegen sie zu diesem oder jenem Kunstwerk gelangt sind. Oder verschmitzt erläutern, warum gerade jene scheinbar spröde Installation bedeutsam ist, weil sie die bisherigen Grenzen der Kunstgeschichte verschiebt. Ob der Zugang eines Sammlers zur Kunst von Kopf oder Bauch gesteuert ist – meist wird pure Leidenschaft spürbar: für die Kunst, ihren Wert, die neuen sozialen Kontakte oder für alles zusammen. Das Leuchten der Augen verrät viel vom Stolz der modernen Jäger und Sammler.

Was treibt eine Kunsthistorikerin und eine Ex-Galeristin, vor allem aber aber auch Unternehmer, Werber und einen Arzt, viel Zeit, Energie und Geld in Kunst zu stecken? Welche Strategien verfolgen sie? Was weckt ihre Leidenschaft?

Zwei Beispiele: In Düsseldorf treffen wir den Unternehmensberater Axel Haubrok in seinem gläsernen Büro im Medienhafen. In Köln begegnen wir der Buchautorin und Lektorin Uta Grosenick in einem Einfamilienhaus, randvoll auf allen Etagen mit junger Kunst gefüllt.

Haubrok, über 50, kurzes, graues Haar, empfängt uns, wie wir es von einem Mann, der Unternehmen an die Börse bringt, erwarten – korrekt im braunen Anzug und properen weißen Hemd. Mitten in der Fahnenkorrektur ihres neuen Buches über die Galeriegeschichte seit 1945 öffnet uns Uta Grosenick, Anfang vierzig, in Strubbelfrisur und bequemer Freizeitkleidung.

Jeder Sammler preist dem Besucher seine Entdeckungen an. Egal, ob er sie früh oder spät gemacht hat. Grosenick und Haubrok indes haben tatsächlich ein Kunst-Frühwarnsystem ausgebildet. „Ich bin völlig autark. Ich höre nicht, ich gucke. Ich besuche viele Galerien und Kunstvereine, lese viel und gehe viel in Ausstellungen“, erläutert der Fachmann für Investor-Relations. Was entfacht Haubroks Feuer? „Die Faszination der Kunst. Und das Gefühl, früh Künstler erkennen zu können, die wegweisend sind, die mich weiterbringen“, erzählt er.

Was unbescheiden klingen könnte, wird durch eine beachtliche Liste früher Ankäufe widerlegt: Martin Creed, Jonathan Monk, Florian Slotawa, Jeppe Hein, Olafur Eliasson, Gregor Schneider und Tino Sehgal. Schon in Schülertagen der Kunst zugetan, verfolgt der kühle Rechner mit dem Faible für konzeptuelle Kunst seit knapp zehn Jahren sein Sammlungskonzept. Er will Schlüsselarbeiten erwerben. „Die Ankäufe müssen in der Entwicklung des Künstlers jeweils eine wichtige Stelle markieren.“

Grosenicks Sammlung mit abstrakten Bildern von Alan Uglow, Wilhelm Sasnal, gegenständlichen Gemälden von Michel Majerus, Glen Rubsamen und Fotos von Wolfgang Tillmans, Candida Höfer und Alex Hartley ist nicht strategisch angelegt. Sie entsteht aus dem Leben einer Freiberuflerin heraus, die wie ein Scout arbeitet. Wolfgang Tillmans etwa hat sie vor neun Jahren seine erste Museumsausstellung vermittelt – heute bringen seine Fotos auf Auktionen schon mal bis zu 42 000 Pfund.

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