Sigmar Polke
Polizei zieht Fälschungen aus dem Verkehr

Nicht nur die Klassische Moderne wird gefälscht, auch mit zeitgenössischer Kunst werden leichtgläubige und unbedarfte Kunstfreunde gelinkt. Der jüngste Fall bezieht sich auf Arbeiten des jüngst verstorbenen Sigmar Polke. Der Kölner Maler und Graphiker ist berühmt geworden mit gerasterten Bildern.
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DÜSSELDORF. Der Tod eines Künstlers ruft nicht selten Fälscher auf den Plan. Sigmar Polke ist gerade erst im Juni verstorben, und schon nach wenigen Monaten hat die Polizei einen Fälschungsskandal aufgedeckt. Am Montag hat die Düsseldorfer Polizei unter anderem die Räume einer Kunstspedition durchsucht. Es besteht der Verdacht, dass gefälschte Gemälde und Gouachen mit der Signatur Polkes angeboten wurden. Vier Kunstwerke wurden beschlagnahmt, zwei in einem Firmenfahrzeug, zwei weitere in einer Wohnung.

Beim Unternehmen gibt man sich zugeknöpft. Der Inhaber sei für die nächsten zwei Tage auf Akquise und nicht zu sprechen. Sein Sohn sagte am Telefon, er sei kein Kunstexperte und könne zur Echtheit der betreffenden Werke keine Aussage treffen. Darüber hinaus verweigerte er jede Auskunft. Rechtsanwalt Peter Spiegel aus Köln, der die Erben Polkes vertritt, bestätigt den Vorfall. Darüber hinaus möchten sich die Erben allerdings nicht äußern.

Keine Gnade vor Expertenaugen

Ausgelöst wurde der Fall dadurch, dass die Werke mehreren Personen angeboten wurden, von denen eine die Polizei einschaltete. Auch Erhard Klein, Galeristen-Urgestein aus Bad Münstereifel, kennt "diese komisch gerasterten Sachen mit schlechter Malerei": "Mir sind vor einigen Monaten zwei sehr zweifelhafte Bilder vorgelegt worden, bei denen ich sofort gesagt habe, dass die niemals von Polke sind."

Hundertprozentige Sicherheit vor Fälschungen gibt es nie bei zeitgenössischer Kunst, bei der naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden wenig sinnvoll sind. Doch gibt es einige Regeln, mit denen das Risiko minimiert werden kann:

Drei goldene Regeln

  • Bei lebenden Künstler fragt man am besten sie selbst, bzw. ihr Atelier.
  • Wahlweise können Galeristen weiterhelfen, die lange mit einem Künstler zusammengearbeitet haben. Sie verfügen in der Regel über Kataloge zu eigenen Ausstellungen und solchen von Museen, Kunstvereinen oder anderen Galerien. Halbwegs wichtige Werke sollten irgendwo dokumentiert sein.
  • Existiert bereits ein Werkverzeichnis, das zu Lebzeiten und unter Mithilfe des Künstlers entstanden ist, ist man ebenfalls auf der sicheren Seite, wenn das betreffende Werk dort vorkommt.

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