Skandal: Gut gemachte Fälschungen täuschen Experten

Skandal
Gut gemachte Fälschungen täuschen Experten

Die Staatsanwaltschaft Köln hat ein Trio festnehmen lassen, das die Kunstwelt mit offenbar gefälschten Klassikern der Moderne täuschte. Ist die Sammlung Werner Jägers erfunden? Der Fall kratzt an der Ehre des Kunsthandels. In Zukunft wird die boomende Branche noch ernsthafter darüber nachdenken müssen, wie sie sich gegen kriminelle Machenschaften absichert.
  • 4

DÜSSELDORF. Der Mann, Jahrgang 1912, lebte lange Zeit als Kaufmann in Krefeld. Als Werner Joseph Jägers 1992 starb, wurde er auf dem Kölner Friedhof Melaten beerdigt. Dort, unter der mit Eisbegonien bepflanzten Erde dürfte er sich wohl "im Grabe herumdrehen", wenn er wüsste, was in der Kunstwelt derzeit mit seinem Namen verbunden wird. Es wird nämlich diskutiert, ob es die Sammlung Jägers überhaupt gibt. In der vergangenen Woche kam es an verschiedenen Orten in Deutschland zu Festnahmen. Drei von insgesamt fünf verdächtigen Personen wurden nach Auskunft der Kölner Staatsanwaltschaft in Untersuchungshaft genommen: die beiden Enkelinnen Werner Jägers, eine 57-jährige Frau und ihre 52-jährige Schwester sowie deren 59-jähriger Ehemann. Sie waren für eine Stellungsnahme nicht zu erreichen, weil die ermittelnde Behörde die Verteidiger nicht bekannt gibt. Die Beschuldigten sind die Protagonisten eines Kunstfälschungsskandals, wie ihn Deutschland noch nicht gesehen hat.

Für die Staatsanwaltschaft Kölns, die mit Kunst in der Regel wenig zu tun hat, ist das eine Herausforderung. Deshalb arbeiten die Kölner eng mit dem Landeskriminalamt Berlin zusammen, das eine eigene Abteilung für Kunstdelikte unterhält. Da es im deutschen Strafgesetzbuch das Delikt der Kunstfälschung nicht gibt, wird nach Aussagen von Pressesprecher Tino Seesko "gegen fünf Personen wegen gewerbsmäßigem, bandenmäßigen Betrug in fünf Fällen" ermittelt. Davon kamen nach aktuellem Stand der Ermittlungen drei Gemälde zum Verkauf, bei zweien konnte er verhindert werden. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Schaden in Höhe einer einstelligen Millionensumme aus. Anzeige erstattete eine "geschädigte Firma", so Pressesprecher Seesko. Für die Beschuldigten gilt natürlich die Unschuldsvermutung.

Alle Bilder waren scheinbar marktfrisch

Es gibt allerdings noch weitere Werke bekannter Klassiker, bei denen der Verdacht besteht, dass es sich um Fälschungen handelt. Alle Bilder waren scheinbar marktfrisch, bis zu ihrem Auftauchen nach 1992 der Fachwelt nicht bekannt und nie abgebildet worden. Teilweise wurden sie als Sensationsfunde gefeiert so wie jenes Gemälde "Rotes Bild mit Pferden", das als Werk Heinrich Campendonks vor vier Jahren bei Lempertz in Köln den sensationellen Rekordpreis von 2,9 Mio. Euro (inkl. Aufschlag) einspielte.

Lempertz verkaufte auch das Bild "Liegender weiblicher Akt mit Katze", das Max Pechstein 1909 gemalt haben soll und im November 2003 für 498.000 Euro (mit Aufschlag) versteigert wurde. Käufer war der Schweizer Händler und Kirchner-Experte, Wolfgang Henze, der das Bild ein Jahr später weiterverkaufte - an einen "sehr kenntnisreichen Sammler des deutschen Expressionismus", heißt es in der Presseerklärung von Lempertz.

Mündliche Bestätigung der Authentizität

Henze konnte sich dabei auf einen Eintrag im Auktionskatalog verlassen, dem zufolge "die bisher dem Pechstein-Archiv unbekannte Arbeit" mündlich von Max K. Pechstein, Hamburg, bestätigt wurde. Der inzwischen verstorbene Sohn des Künstlers galt in Fachkreisen damals als der einzige und beste Kenner des Oeuvres.

Seite 1:

Gut gemachte Fälschungen täuschen Experten

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Kommentare zu " Skandal: Gut gemachte Fälschungen täuschen Experten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Vom Auktionshandel wird nur der begriff interner und externer "Experte" verwendet und der begriff "Gutachter" vermieden. Experte ist ein Allerweltswort. Der begriff Experte ist weder gesetzlich definiert noch geschützt. Die Voraussetzungen,dass sich jemand im Auktionshandel Experte nennen kann sind nicht festgelegt. Es existieren keine kontrollierenden berufskammern oder eine staat- liche Kontrolle. Zahlreiche treten als Experten mit Reputation im Auktionshandel auf und maßen sich an z.b.dass sie die Echtheit der Kunst ganz Asiens beurteilen können oder weil sie mit dem Künstler verwandt oder Händler sind. Es gibt einzelne Experten in der Kunst die durch langjährige beschäftigung mit einem Teilgebiet oder einem oder zwei Malern sich eine große Sachkunde erarbeitet haben. Diese können viele Fälschungen gut begründet nachweisen, behaupten aber die Echtheit nur mit hohem Grad von Sicherheit, nicht definitiv (z.b. Rembrandt Research Project). Die Echtheitsuntersuchung in der Kunst ist eine methodisch umfassende forensische Disziplin.
    Ein Gutachter,der begriff wird im Auktionshandel vermieden,ist etwas anderes als der Experte. Er hat eine universitäre Ausbildung (z.b.forensischer Handschrift- vergleich)oder eine teils lange spezielle Weiterbildung. Es bestehen strenge Regeln für die Abfassung von Gutachten und eine Überwachung durch durch Kammern (z.b.Handwerkskammer, Ärztekammer usw.) und Fachverbände.

  • Der Fall zeigt,warum der Verkauf von Fälschungen bei Kunstauktionen problemlos möglich ist.in den Versteige- rungsbedingungen steht,dass eine Gewährleistung ausge- schlossen ist. Der Käufer einer Fälschung bei einer Kunstauktion kann keine rechtlichen Ansprüche geltend machen.Das ist Rechtsprechung des bGH.Der bGH hat dem Gewährleistungsausschluss 2 Forderungen entgegen- gesetzt. Die Vertrauenswürdigkeit des Einlieferers muß geprüft werden (was das auch bedeuten mag)und der Auktionator muß einer Sorgfaltspflicht bei der Echtheits-prüfung nachkommen. in der Regel schickt der Auktionator ein Foto des Kunstwerks an dafür vergütete Museums- direktoren, Kuratoren usw. als externe Experten. Äußert der externe Experte mündlich oder schriftlich, er sei der Meinung das Kunstwerk sei echt, ist der Sorgfalts- pflicht genüge getan. irrt sich der "Expert" ist das nur von bedeutung wenn ihm nachgewiesen werden kann, dass er arglistig getäuscht hat, was praktisch unmöglich ist. Jeder Kenner weiß, dass eine seröse Echtheitsaussage aufgrund eines Fotos oder kurzen besichtigung des Originals nicht möglich ist. Die Rechtslage läßt das zu. im Übrigen erhält der deutsche Staat für jedes verstei- gerte Kunstwerk, gleich ob es echt oder gefälscht ist,seine Steuer. Deshalb besteht auch kein interesse die jetzige Rechtslage,die teilweise in andern Ländern anders ist, zugunsten des Käufers zu ändern

  • Mit Fälschungen ist der internationale Kunstmarkt übersäht, dass nicht einmal Experten sich über Echt oder Fälschung manchmal eine Exakte Entscheidung für ein Kunstwerk treffen können. Man kauft gewöhnlich Kunst die einem gefällt um somit auch eine gewisse Wertanlage zu kaufen. Das wird für den Kunstsammler erst richtig interessant, wenn es dazu noch um einen berühmten Künstler handelt,
    denn nach dem Tod des Künstlers steigt oftmals auch der Preis des Kunstwerks. Somit wird Kunst im Sammlerkreisen wie eine wertvolle Aktien gehandelt. Dann neigt auch der Sammler als Käufer oftmals einen großen Fehlgriff zu machen, indem er durch falsche Expertisen sowie Provenienznachweise getäuscht wird. Vor allem, wenn es um unbekannte Frühwerke eines Künstlers handelt wird es immer wieder schwer sein, diese Echtheit auch wirklich Lückenlos zu beweisen. Denn der Künstler verändert auch im lauf seines Leben seinen Malstil, bis er in der Kunst ein gewisses Markenzeichen ( Stil sowie Technik ) erlangt,dauert es meistens viele Jahre.
    Steht's da orientiert man sich auf Hauptwerke des Künstlers, die kennt man am intern. Kunstmarkt am besten, denn da glaubt man auf Nummer sicher zu gehen. Zwischen Frühwerke, Hauptwerke sowie Spätwerke eines Künstlers treten immer wieder große Unsicherheiten auf und die Fälschungen die am Kunstmarkt angeboten werden, sind von der Technik, sowie vom Material immer besser sowie origineller, weil man heute ganz andere Möglichkeiten hat als früher. Klarer ausgedrückt, man hat als Sammler gar keine Chance dies absolut zu unterbinden, man kauft natürlich im vertrauen des Händlers die oft selbst betrogen wurden, aber in erster Linie kauft man, weil einem das Kunstwerk gefällt, dass ist das wichtigste für einen Kauf eines Kunstsammlers. Die Probleme tauchen erst meist beim Wiederverkauf eines Kunstwerks auf, da es bei einer Überprüfung einer Expertise immer wieder unterschiedliche Experten Meinungen gibt, die manchmal nicht einmal gerichtlich zur Gänze geklärt werden können – wie man sehr oft in der Presse verfolgen kann.
    Dass Kunstfälschungen nicht mehr möglich sind, kann man unter Fingerprint on Art sehen
    www.fingerprint-on-art.com

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%