Skandal
Schlechte Noten für das Pariser Versteigerungshaus Drouot

Die Drouot-Holding und die 73 dort arbeitenden Auktionsfirmen haben von französischen Justizbeamten ein miserables Zeugnis ausgestellt bekommen. Dazu laboriert das Haus noch unglücklich an den Skandal um die sogen. "Savoyarden", Servicemitarbeiter, die systematisch gestohlen haben.
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PARIS. Skandalöse Zustände im französischen Versteigerungshaus Drouot legt ein "Bericht über die Arbeitsweise im Drouot" offen. Das Justizministerium hat ihn beauftragt, drei hohe Beamte haben die Schrift verfasst, die durch eine Indiskretion publik geworden ist. Die drei "Weisen" kritisieren die Organisation des Hôtel Drouot auf praktisch allen Ebenen: "Organisierter Konservatismus", eine "minimale Verwaltung", "undurchsichtige Strukturen", ein nicht ausreichender "juristischer Rahmen" und "veraltete Arbeitsmethoden" lauten die Kritikpunkte. Negativ bewertet werden auch der ungern Entscheidungen treffende, nie erreichbare Versteigerer Georges Delettrez, der seit Jahren der Holding vorsteht, ein dem Numerus clausus ähnliches, den europäischen Direktiven widersprechendes Aufnahmesystem und last not least "Verminderung der Qualität des Warenangebotes". Das sind harte Bandagen für sonst so vorsichtige Beamte.

Service-Mitarbeiter stehlen

Das Pariser Versteigerungshaus Drouot steht schon seit den Ende 2009 bekannt gewordenen Diebstählen hart im Wind. Die einhundertzehn in einer Arbeitergenossenschaft zusammengeschlossenen "Savoyarden" oder "Roten Kragen" (nach ihrer schwarzen Uniform mit rotem Kragen "Cols rouges" genannt), erledigten bis Juli 2010 die gesamte manuelle Abwicklung in den Auktionssälen: die Lagerung, das Vorzeigen der Objekte und den Transport. Einige entwendeten systematisch seit Jahren bzw. Jahrzehnten verschiedene Objekte. Nach dem Diebstahl eines Gustave Courbet-Gemäldes wurde Anklage erhoben und die Breite des Skandals allmählich bekannt. Inzwischen sind rund zwanzig "Savoyarden" und ein Auktionator individuell angeklagt. Eine zweite Anklage erging gegen die "Savoyarden"-Genossenschaft als moralische Person. Deshalb ist es allen "Savoyarden" seit 1. September gerichtlich verboten, die Drouot-Gebäude zu betreten bzw. dort zu arbeiten.

Transportunternehmen springt in die Bresche

Am 14. September gab die Drouot-Holding endlich bekannt, dass ab der Saisoneröffnung am 21. September das alteingesessene Transport-Unternehmen Chenue die "Savoyarden" ersetzt, um die Abwicklung der Auktionen in den 16 Sälen des Hôtel Drouot-Richelieu zu gewährleisten. Die Firma Chenue existiert seit 1760 und ist im Kunsttransport erfahren. Trotzdem fürchten viele Auktionatoren, dass der Saisonbeginn in Panik ausarten könnte, weil die Neulinge der komplexen Situation nicht gewachsen seien.

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